hr-iNFO-Rechercheprojekt: „Opfer ohne Stimme – wie wir unsere Kinder vor Gewalt schützen“
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Bundesweit 130 tote Kinder und 22.000 Fälle von schwerer Kindesmisshandlung, die 2016 Eingang in die Statistik fanden – sie sind nur die Spitze eines Eisberges, dessen Basis unsichtbar bleibt.

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Eine hr-iNFO-Recherche ergab: Personelle und materielle Engpässe in vielen Jugendämtern schränken effektiven Kinderschutz ebenso ein, wie mangelnde Qualifikation oder auch nur Sensibilisierung von Ärzten oder Richtern. Kein Familienrichter und kein Kinderarzt ist demnach im Zuge seiner Ausbildung dazu verpflichtet, sich Grundkenntnisse im Kinderschutz anzueignen.

Klassisches Jurastudium nicht ausreichend
Der Vorstand des Deutschen Familiengerichtstags und alle von hr-iNFO befragten Gesprächspartner sind der Auffassung, dass Deutschlands Familienrichter nicht ausreichend auf ihre Aufgabe vorbereitet sind. Die Frankfurter Familienrichterin Heidi Fendler sagt, ihre Entscheidungen hätten weitreichende Konsequenzen für die betroffenen Familien, deswegen sei ein Jurastudium des klassischen Einheitsrichters nicht ausreichend. Es brauche auch pädagogische und psychologische Kenntnisse. Außerdem gebe es zu wenige Familienrichter, und die seien überlastet und hätten oft zu wenig Zeit für die komplizierten Verfahren, in denen es darum gehe, ob ein Kind in Obhut genommen werde oder weiter in der Familie bleibe.

Länder lehnen zusätzliche Qualifikationspflicht ab, Ausnahme Baden-Württemberg
Die noch vom damaligen Justizminister Heiko Maas (SPD) 2017 vorgelegte Idee, Familienrichtern vor Antritt ihres Amtes per Bundesgesetz eine Qualifikationspflicht  aufzuerlegen, wurde nach hr-iNFO-Recherchen von den Ländern, auch von Hessen, mehrheitlich abgelehnt. Sie befürchten – unter anderem – personelle Engpässe, wenn sie die Familiengerichte nur noch mit eigens dafür ausgebildeten Richtern besetzen können. Die amtierende Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), einst selbst Familienrichterin, verfolgt den Ansatz einer Zusatzqualifizierung als Einstellungsvoraussetzung für Familienrichter nicht weiter.

Über Fortbildungen bereits amtierender Familienrichter werden die Landesjustizminister im Juli auf ihrem Treffen in Eisenach beraten. Für Justizangelegenheiten sind die Länder zuständig, und die lehnen eine generelle Verpflichtung bislang mehrheitlich ab, wie sich aus Antworten aller Länder auf eine entsprechende Anfrage von hr-iNFO ergab. Einzige Ausnahme ist Baden-Württemberg, dessen Justizministerium sich einer Initiative des Bundes anschließen würde.

Weitere Informationen

Grosses Online-Special und TV Reportage

hr-iNFO hat die konstant hohe Fallzahl von misshandelten Kindern und eine aktuelle Studie der Hochschule Koblenz über Missstände in deutschen Jugendämtern zum Anlass genommen, genauer hinzuschauen.

Das Rechercheprojekt „Opfer ohne Stimme – wie wir unsere Kinder vor Gewalt schützen“ ist ab Montag, 14. Mai, Schwerpunktthema im Radioprogramm von hr-iNFO. Ein großes Online-Special von hr-iNFO vertieft, ebenfalls ab 14. Mai, die Thematik mit zahlreichen Hintergründen, Grafiken und Serviceadressen: kindeswohl.ard.de.

In der Reihe „Was Deutschland bewegt“ zeigt zudem Das Erste am Montagabend, 20.15 Uhr, den Film „Wenn Eltern ihre Kinder misshandeln“ der drei Autorinnen Dominik Nourney und Christine Rütten (hr-fernsehen) sowie Petra Boberg (hr-iNFO).

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Hartmut Hoefer und Isabelle Dollinger
Bild © hr/Ben Knabe


Pressereferenten hr-iNFO
Isabelle Dollinger
Telefon: +49 (0)69 155-3558
E-Mail: isabelle.dollinger@hr.de

Hartmut Hoefer
Telefon: +49 (0)69 155-5012
E-Mail: hartmut.hoefer@hr.de