Kirsten Boie

Eine „Katastrophe“ sei es, dass ein Fünftel aller Grundschulabgänger nicht richtig lesen könne, sagte die erfolgreiche Kinderbuch-Autorin und frühere Gymnasiallehrerin Kirsten Boie in der hr-iNFO-Sendung „Das Interview“. Dies sei ein zunehmend gravierendes gesellschaftliches Problem.

Boie sprach im Rahmen der ARD-Themenwoche „Zukunft Bildung“ mit hr-iNFO-Redakteur Stefan Bücheler auch über die IGLU-Studie von 2017. Aus dieser geht hervor, dass ein Fünftel aller Zehnjährigen nicht „sinnentnehmend“ lesen kann. „Ein Kind, das nicht lesen kann, wird von der fünften Klasse an in keinem Fach mehr mitkommen“, fürchtet Boie, „es wird vermutlich auch keinen Schulabschluss machen“ und folglich „keinen qualifizierten Beruf“ erlernen können.

„Erschütternde“ Ungerechtigkeit in Deutschland

Bei der Lesefähigkeit gebe es gravierende Unterschiede zwischen „bevorzugten“ Gegenden und „Brennpunkt-Stadtteilen“, wo Eltern oft nicht imstande seien ­– etwa durch Nachhilfe oder Lesetraining mit ihren Kindern –, schulische Defizite auszugleichen. Laut IGLU-Studie ist Deutschland von 53 untersuchten OECD-Staaten jenes Land, in dem soziale Herkunft die größte Rolle für die Lesefähigkeit spielt. Dies, so Boie, sei „beschämend für ein so reiches Land, wie wir es sind, dass ich dafür überhaupt kein Verständnis haben kann".

Quereinsteiger als Grundschullehrer verschärfen das Problem

Laut einer aktuellen Studie fehlen bundesweit 26.000 Grundschullehrer bis 2025, „eine Katastrophe“, wie Kirsten Boie findet. Nicht behoben, sondern eher verschärft werde der Missstand durch die wachsende Zahl an „Quereinsteigern“, denen die pädagogischen Mittel und Strategien fehlten, leseschwache Kinder erfolgreich zu fördern. Die zunehmend verbreitete Leseschwäche sei letztlich auch für unsere Demokratie „brandgefährlich“, so die Autorin, denn „Menschen, die nicht lesen können, sind nicht in der Lage, sich mit komplexeren Argumentationen auseinanderzusetzen.“

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Die ARD-Themenwoche "Zukunft Bildung" im hr
hr-iNFO - Das Interview - Sendung und Podcast:

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Christian Arndt


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