Wolfgang Thierse im Anzug
Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) Bild © picture-alliance/dpa

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat nach dem Rücktritt von Andrea Nahles den Umgangsstil innerhalb der SPD kritisiert. In hr-iNFO sagte Thierse: "Das, was in den letzten Wochen und Monaten stattgefunden hat, war von einigen Mitgliedern eine Selbstzerstörung dieser Partei."

Thierse glaube, dass viele in der SPD in sich gehen müssten: "Wenn es nicht gelingt, das zu leben, wofür die SPD programmatisch steht, nämlich Solidarität, dann ist mir bange um die Zukunft unserer Partei.“ Er habe in den vergangenen Wochen und Monaten „mit Entsetzen gesehen“, wie Mitglieder der Partei nicht nur mit Nahles, sondern insgesamt mit der Führung umgegangen seien. Thierse weiter: „Das ist jenseits sachlicher Auseinandersetzung gewesen. Persönliche Angriffe, Durchstechereien, auch und gerade von Mitgliedern der Bundestagsfraktion. Und wenn Kevin Kühnert jetzt mitteilt, er schämt sich dafür für die Partei, da frage ich mich, ob er sich auch für sich selber schämt. Das hat er nicht mitgeteilt…“

Der ehemalige Bundestagspräsident bemängelte in hr-iNFO, dass die „schwierige Situation der SPD“ personalisiert worden sei: „Das ist der bequeme Weg – und der falsche Weg. Wir müssen uns auf den anstrengenden Weg machen, nämlich die Identität der SPD wieder sichtbarer machen. So lange habe ich erlebt, wie viel personelle Wechsel es gegeben hat, immer war das mit der Aufforderung nach Erneuerung der Partei verbunden – und ich kann das Wort vom Neuanfang und der Erneuerung kaum noch hören.“

Nach dem überraschenden Rücktritt von Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles sucht die SPD nach einer neuen Führung. Am Vormittag berät der Parteivorstand über die nächsten Schritte.

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