Jochen Drees, Leiter des Bereiches Videobeweis beim Deutschen Fußball-Bund, im "Heimspiel!"

In der dritten Bundesliga-Saison ist der sogenannte Videobeweis noch immer viel, zum Teil heftiger Kritik ausgesetzt. In der hr-iNFO-Sendung „Das Interview“ zeigt Dr. Jochen Drees, Chef der „Video Assist Referees“ (VAR) beim DFB, Verständnis für diese Kritik. Er ist aber überzeugt, dass der Videobeweis viele Entscheidungen transparenter und somit den Fußball gerechter macht.

„Die größte Veränderung im Fußball seit hundert Jahren“

„Der Videoassistent greift erheblich in das Spiel ein, wie wir es als Zuschauer erleben, aber auch wie es Spieler und Trainer erleben“, sagt Dr. Jochen Drees. „Es wäre vermessen zu glauben, dass man so etwas einführt und nach zwei Jahren sagt: Es ist alles toll.“ Der Videobeweis sei „eine Entwicklung, die stetig weitergehen wird“. Grundsätzlich sei man auf dem richtigen Weg.

Maradonas „Hand Gottes“ wäre heute undenkbar

Dr. Jochen Drees, Schiedsrichter und Projektleiter Video Assistent beim DFB

Jenen, die behaupten, der Videobeweis mache „den Fußball kaputt“, hält Drees die vielen Veränderungen zum Positiven entgegen. So sei „heutzutage kaum noch eine Akzeptanz für ein Tor wie das von Maradona damals bei der WM“ denkbar. Die „Hand Gottes“ sei zwar „eine schöne Geschichte“. Aber in Zeiten, da Zuschauer wie Trainer mit Smartphone und Tablet ein Hand- oder Foulspiel sofort sehen könnten, sei es „ungerecht“, wenn „hinterher der Schiedsrichter an den Pranger gestellt“ werde, „weil er als Einziger keine Möglichkeit hat, sich das sofort anzuschauen“. Sinn und Zweck der VAR sei es, „dass diese gravierenden Fehlentscheidungen künftig unterbleiben“, die an jedem Saisonende über die Meisterschaft, über Auf- und Abstieg und viel Geld entscheiden könnten.

„Foul ist, wenn der Schiedsrichter pfeift“

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zum Download Dr. Jochen Drees, Projektleiter der "Video Assist Referees" (VAR) beim DFB

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Der alte Spruch gelte weiterhin, wie Drees betont. „Der Video-Assistent schaut ja nur drüber, ob dieser Pfiff klar und offensichtlich falsch ist, und das auch nur dann, wenn es sich um eine Elfmeter-Situation handelt oder die Frage einer  Roten Karte da ist.“ Er solle nur dann intervenieren, „wenn tatsächlich für jeden Betrachter klar und offensichtlich falsch wäre, was der Schiedsrichter gemacht hat“.

Respekt und „Normalität“ auf dem Platz

Drees sieht einerseits den Sport als Spiegel der Gesellschaft und andererseits die Profis in der Pflicht, ihrer Vorbildfunktion auch in Sachen Fair Play gerecht zu werden. Nach Diskussionen mit Kollegen im Schiedsrichter-Trainingslager hat er „eine klare Erwartungshaltung formuliert“: „Wir wollen wieder zurück zur Normalität. Wir wollen, dass wir uns auf dem Platz mit Respekt begegnen, und dazu gehört auch, dass ein Schiedsrichter nicht angelaufen wird. Wenn ein Spieler in einer anderen Sportart das macht, zum Beispiel im Handball, dann geht er für zwei Minuten auf die Bank.“ Schon in der Rückrunde soll gegen „solche Unarten und Auswüchse“ in der Bundesliga konsequent vorgegangen werden.

Weitere Informationen

Sendetermine und Podcast:

hr-iNFO - Das Interview

Freitag, 17. Januar um 19:35 Uhr
Samstag, 18. Januar, um 10:05 und 14:05 Uhr sowie am
Sonntag, 19. Januar, um 18:35 Uhr

und ab sofort als Podcast

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Christian Arndt


Pressereferent hr-iNFO
Christian Arndt
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