Weltraumwagner

Für die aktuelle Folge ihres Raumfahrt-Podcasts „WeltraumWagner“ sprachen Dirk Wagner und Oliver Günther mit Johann-Dietrich „Jan“ Wörner über Innovation im All und die Gefahr eines neuen Nationalismus. Darin drückt der Generaldirektor der europäischen Raumfahrtbehörde ESA seine Sorge um die internationale Kooperation in der Raumfahrt aus.

ESA-Direktor Johann-Dietrich "Jan" Wörner

Angesichts der jüngsten Entwicklungen in der Raumfahrt wirbt Jan Wörner für internationale Kooperationen und warnt vor einer Fokussierung auf nationale Interessen. Seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms im Jahr 2011 war die NASA bei ISS-Flügen auf Russlands Sojus-Raumkapseln angewiesen. Am 30. Mai 2020 sind nach fast einem Jahrzehnt ohne eigenen Carrier erstmals wieder zwei US-Astronauten mit einer amerikanischen Rakete von amerikanischem Boden aus zur ISS geflogen. In den USA wurde dieser Flug deshalb mit dem Hashtag #LaunchAmerica gefeiert.

America First – auch im All?

Aus technischer Sicht sei zu begrüßen, dass es jetzt wieder mehr Möglichkeiten gebe, Astronauten ins All zu schicken, sagt der gebürtige Nordhesse Wörner im hr-iNFO-Podcast „WeltraumWagner“. Er warnt jedoch auch: „Amerikanische Astronauten mit amerikanischer Rakete von amerikanischem Grund – das ist natürlich amerikanischer Stolz. Aber meine Sorge ist ein wenig, dass die tolle Zusammenarbeit, die wir in der Raumfahrt haben, darunter leiden könnte.“ Er hoffe, dass Amerika und Russland auch künftig kooperieren und dass Europäer weiterhin in Raumfahrzeugen beider Länder mitfliegen können: „Ich glaube, das müssen wir sicherstellen, sonst verlieren wir einen großen Wert der Raumfahrt.“ Als Beispiel verweist Wörner darauf, dass die ESA aktuell sowohl mit den USA als auch mit Russland an robotischen Missionen zur Erkundung von Mond und Mars arbeitet.

Innovation entsteht durch Mut zum Ausprobieren

Allerdings sieht Wörner bei der ESA auch Bedarf, sich auf neue Trends in der Raumfahrt einzustellen. Vor allem die von US-Milliardär Elon Musk gegründete Firma „SpaceX“ hat für Aufsehen gesorgt, weil mit ihr erstmals ein Privatunternehmen US-Astronauten ins All transportiert hat. Die ESA könne von „SpaceX“ etwa in Sachen Risikobereitschaft lernen, so Wörner: „Die ESA sollte auch den Mut haben, bei Missionen, bei denen nicht so ein hoher Wert dahintersteht, ruhig mal etwas auszuprobieren. Bei uns heißt es immer erst: ‚Sind wir auch sicher, dass wir das machen?‘ Das, finde ich, müssen wir ein bisschen verändern“. Der ESA-Chef plädiert für mehr Flexibilität bei der Weiterentwicklung von Raumfahrt-Systemen, auch in Europa: Bei SpaceX gebe es „keine zwei Flüge, bei denen die Rakete genau dieselbe ist“, so Wörner. „Das ist Innovation.“

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WeltraumWagner – der Podcast von hr-iNFO zum Thema Raumfahrt und Raumfahrtforschung – erscheint monatlich auf hr-inforadio.de sowie bei iTunes und Spotify. In der ARD-Audiothek gehört „WeltraumWagner“ zu den ersten ARD-Audioinhalten aus den Bereichen Kultur und Bildung, die unter der Creative Commons Lizenz NC-ND-BY-4.0-DE „möglichst leicht und möglichst dauerhaft für alle zugänglich“ gemacht werden sollen, wie der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow Anfang Juli sagte.

Die aktuelle Folge von "WeltraumWagner" gibt es hier, und hier geht es zum Podcast-Channel.

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Christian Arndt


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