Niklas Maak - Architekturkritiker und Romanautor

Unter dem Titel „Die Corona-Regnose – Was wir in der Krise geschafft haben“ startet hr-iNFO am Pfingstmontag eine vierteilige Interviewreihe. In der ersten Folge spricht der Architekturkritiker und Romanautor Niklas Maak über die Folgen der Corona-Pandemie für das Leben in Städten und den Umgang mit unseren Daten.

„Intensität, Gedränge und eine Vielzahl der Möglichkeiten“

Die Corona-Krise wird unsere Städte verändern, ist sich Niklas Maak sicher. Viele Unternehmen hätten entdeckt, wie gut Homeoffice funktioniere, und würden sich die Miete für teure Büro-Immobilien künftig vielleicht sparen: „Die Tage des Büros sind nicht gezählt, aber angezählt." Dass öffentliche Gebäude und Plätze dauerhaft zu Angst-Räumen werden, die man wegen der Ansteckungsgefahr lieber meidet, glaubt Maak jedoch eher nicht.  „Man kann sich eine Großstadt ohne diese Unmengen von Lichtern und Köpfen und Menschen gar nicht vorstellen“, sagt er. „Das Versprechen der Stadt war immer Intensität, Gedränge und eine Vielzahl der Möglichkeiten.“ Diese Qualität der Stadt gelte es zu erhalten, denn im Lockdown hätten wir „alle gelernt, wie sehr wir am öffentlichen Leben und am Ausgehen hängen.“

Stadthygiene mit Tradition und (Bei)Geschmack

Karge Formen, klinisch weiß oder aus Glas, dazwischen viel Licht und Luft - das sind Merkmale der inzwischen hundertjährigen Bauhaus-Tradition. Diese Architektur sei nicht zuletzt auch eine Reaktion auf Seuchen und Pandemien wie die Spanische Grippe gewesen, sagt Niklas Maak. Hygienisch sollten die Städte sein und leicht zu überwachen. Denn der Staat als Treiber der Stadterneuerung „wollte nicht nur Viren, sondern auch Revolutionäre und Unruhestifter aus der Stadt heraus haben."

Daten oder Leben?

Durch Corona ist auch die  Bereitschaft gestiegen, unsere Bewegungen und Kontakte überwachen zu lassen – wenn zum Beispiel eine Corona-App wieder mehr Freiheiten verspricht. In seinem Roman „Technophoria“ beschreibt Niklas Maak eine Smart City, in der ein Tech-Konzern ständig Daten über Konsum, Bewegungen und Gesundheitsverhalten sämtlicher Bewohner sammelt. Maak will zwar keine Technik-Skepsis verbreiten, wohl aber die Frage aufwerfen, „wie wir wieder Herr über unsere Daten werden können". Daten in Bürgerhand - das wäre eine Lehre der Corona-Zeit, auf die wir in zehn Jahren stolz sein könnten, resümiert er im Gespräch mit Christoph Scheffer. "Und dass so viele Menschen sich so diszipliniert an Regeln gehalten haben, die Leben retten können, das ist eine große kulturelle Leistung."

Weitere Informationen

Sendezeiten und Podcast

hr-iNFO "Das Interview" mit Niklas Maak
(Teil 1 der vierteiligen Reihe "Die Corona Regnose - Was wir in der Krise geschafft haben")
Pfingstmontag, 1. Juni 2020, 7.00 Uhr, 11.30 Uhr und 16.30 Uhr

"Das Interview" von Christoph Scheffer mit Niklas Maak gibt es auch hier als Podcast.

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Christian Arndt

Pressereferent hr-iNFO
Christian Arndt
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