Dominik Eulberg

Seit gut 15 Jahren genießt Dominik Eulberg im internationalen Technozirkus höchstes Ansehen. Wie der studierte Ökologe Krötenwanderung und Brutvogel-Monitoring mit dem hypnotischen Vierviertelbass seiner ambitionierten Techno-Produktionen in Einklang bringt, und wie sich die Coronakrise auf unser Verhältnis zur Natur auswirkt, verrät er in der hr-iNFO-Sendung „Das Interview“.

Das Haus im Westerwald, in dem Dominik Eulberg heute lebt und arbeitet, wurde ihm „vom Schicksal so zugespielt“. Von seinem Studiofenster aus überblickt er ein „ganz bedeutendes Vogelschutzgebiet“, in dem er schon als Kind seltene Vögel wie den Rothalstaucher oder den Silberreiher beobachten konnte. Nicht zufällig heißt ein frühes Album „Heimische Gefilde“, denn Eulberg ist ein „sehr heimatbezogener Mensch, der Westerwald ist mein Habitat, mein Revier, das mir Sicherheit und Struktur und Halt gibt“.

Forschung durch Techno

Für den 41-Jährigen sind elektronische Musik und „Natur-Sensibilisierung“ kein Widerspruch, im Gegenteil: Techno habe „eine ganze Menge“ mit Natur zu tun. Es sei die „instinktivste Musik“, und die Faszination dafür hänge mit der „pränatalen Konditionierung auf den Herzschlag der Mutter“ zusammen. Vor allem gebe es „keinerlei Limitierung“ in der elektronischen Musik: „Ich kann jede Klangfarbe generieren und kann damit diese Emotionen, die ich in der Natur habe, auch tatsächlich komplett abdecken.“

Kindliches Erstaunen

Im interdisziplinären Studium der Ökologie hat sich Dominik Eulberg eine „holistische Sichtweise“ und „eine gesunde Vogelsperspektive“ angewöhnt, und wenn er nicht gerade mit dem Brutvogel-Monitoring beschäftigt ist, baut er von seiner unmittelbaren Umgebung inspirierte Techno-Tracks, in die er zuweilen auch erklärend hineinspricht, denn „meine Mission ist die Augen zu öffnen, die Sinne zu öffnen, die Ohren zu öffnen, den Geruchssinn zu öffnen“, sagt Eulberg. Erst, wenn die Sinne derart geschärft sind, kann die Genialität und Schönheit der Natur „etwas zum Schwingen“ bringen: „In jedem von uns steckt ein natürliches kindliches Erstaunen dafür, was verschüttet wurde durch den Kapitalismus, durch die Technik, durch Handy und was weiß ich nicht alles, und das möchte ich wieder reaktivieren.“

Elektronische Artenvielfalt

Obwohl er wegen der Corona-Pandemie seit Wochen nicht mehr auftreten kann, kommt seine Botschaft gerade jetzt an, denn in diesen Zeiten ist die Natur für viele der einzige Rückzugsort, sagt Dominik Eulberg: „Das merke ich schon, dass die Natur gerade eine extreme Renaissance erfährt und die Leute das mehr genießen, und dass meine Arbeit dadurch mehr und mehr auch wertgeschätzt wird, weil die Menschen wieder anfangen zu verstehen, dass das wirklich hier unsere Lebensgrundlage ist.“ Der Albumtitel „Mannigfaltig“ ist nicht nur in musikalischer Hinsicht programmatisch zu verstehen.

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Sendezeiten und Podcast

hr-iNFO "Das Interview" mit Dominik Eulberg
Mittwoch, 13. Mai 2020, 19:35 Uhr

Hier steht "Das Interview" mit Dominik Eulberg als Podcast zum Nachhören bereit.

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Christian Arndt

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