25 Jahre "Kulturzeit" auf 3sat - und der hr ist von Anfang an dabei

Seit 25 Jahren berichtet die "Kulturzeit" in 3sat über das kulturelle Leben in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Hessische Rundfunk ist von Anfang an dabei, entsendet Redakteur*innen in die gemeinsame Redaktion von ARD, ZDF, ORF und SRG und stellt mit Cécile Schortmann – die Zuschauer des hr-fernsehens kennen sie aus "Hauptsache Kultur“"– auch eine der vier Moderator*innen.

Die Macher nennen es ein "Fernsehfeuilleton der Extraklasse", für Gert Scobel, Moderator der ersten Stunde, ist es "Unterhaltung mit Erkenntnisgewinn", und Filmregisseurin Doris Dörrie fühlt sich "zuverlässig inspiriert", wie sie in ihren Glückwünschen zum 25. Jubiläum betont. Die Rede ist von der "Kulturzeit", dem werktäglichen Kulturmagazin auf 3sat.

Seit dem 2. Oktober 1995 bietet die Sendung aktuelle, kritische und vertiefende Kulturberichterstattung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von Montag bis Freitag beleuchtet das gemeinsame Fernsehmagazin von ARD, ZDF, ORF und SRG die kulturellen Highlights des Tages, bietet Hintergründe und Gespräche, gibt Tipps zu den wichtigsten Kulturereignissen, entdeckt neue Talente und erinnert an bedeutende Kulturschaffende – kurz: Die "Kulturzeit" begleitet das kulturelle Leben in seiner ganzen Bandbreite. Dafür sorgt täglich ein rund 15-köpfiges Team, für den hr sind abwechselnd die Redakteur*innen Ursula May, Christine Romann und Simon Broll mit von der Partie. Präsentiert wird das Format im wöchentlichen Wechsel von vier Moderator*innen, für den hr steht Cécile Schortmann vor der Kamera. Ein Gespräch mit den vier "Kulturzeit"-Macher*innen des hr über das Jubiläum.

25 Jahre und weit über 5.500 Ausgaben – was ist das Erfolgsrezept der "Kulturzeit", was macht die Sendung aus?

Sie moderiert die "Kulturzeit" für den hr: Cécile Schortmann

Cécile Schortmann: Dass sie Spaß an Kultur vermittelt, sie sich aber immer auch als Reibungsmoment versteht. Gemütlich zurücklehnen, das geht beim "Kulturzeit"-Anschauen eher schlecht. Dafür sind viele Themen zu unbequem, fordern die Auseinandersetzung, vor allem auch mit gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Die Zuschauer*innen überfordern aber wollen wir natürlich nicht. Also ist auch immer was Kulinarisches für Auge, Ohr, Seele und Geist dabei. Genussvoll in Bildern, Texten, Musik schwelgen, das muss es natürlich auch geben.

Christine Romann: Die "Kulturzeit" ist abwechslungsreich, sowohl inhaltlich als auch optisch. Und es kommt so gut wie nie vor, dass die Sendung abends so läuft, wie sie früh morgens geplant wurde. Wer die "Kulturzeit" schaut, ist deshalb täglich auf dem Laufenden, was Kultur und gesellschaftliche Themen angeht. Außerdem bekommen die Zuschauer*innen oft eine andere Perspektive auf aktuelle Ereignisse geboten, da die "Kulturzeit" nicht nur Expert*innen zu Wort kommen lässt, sondern auch Künstler*innen und Kulturschaffende als Gesprächsgäste einlädt oder eigene essayistische Beiträge produziert. Wir fragen uns jeden Tag: Was ist unser "Kulturzeit-Blick" auf dieses oder jenes Thema?

Die "Kulturzeit" berichtet aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit welchen Themen ist der hr dabei?

Ursula May: Der hr ist immer Teil des Teams, mit unserer Moderatorin und mit den Redakteur*innen, die Sendungen und Beiträge planen. Als hr-Mitarbeiter*innen haben wir natürlich ein besonderes Auge auf Themen, die in Hessen passieren, und Ereignisse, die hier stattfinden – auch abseits der großen Themen wie Documenta oder Buchmesse.

Warum ist es so spannend für den hr, bei einem grenzübergreifenden Kulturmagazin dabei zu sein?

Die "Kulturzeit"-Redaktion des Hessischen Rundfunks (v.l.n.r.): Ursula May, Christine Romann und Simon Broll

Christine Romann: Für uns hr-Redakteur*innen bietet die Arbeit bei der "Kulturzeit" einen ganz anderen Redaktionsalltag und andere Einblicke. Da prallen auch unterschiedliche Meinungen aufeinander, aber es sind sehr konstruktive Diskussionen. Diese Erfahrungen können wir im hr einbringen. Der hr wird zudem nicht nur durch uns vier bei der "Kulturzeit" gut vertreten, sondern auch dadurch, dass viele Beiträge aus "ttt - Titel, Thesen, Temperamente" in der "Kulturzeit" wiederholt werden. Daher sind auch andere hr-Kolleg*innen mit ihren Themen in der "Kulturzeit" präsent. Und mit Cécile Schortmann als Moderatorin ist der hr für die Zuschauer*innen sogar sichtbar vertreten.

Ursula May: Der Austausch ist ungeheuer bereichernd: Wenn man zum Beispiel mit einem Kollegen aus der Schweiz oder Österreich gemeinsam eine Sendewoche bestreitet, bekommt man auf viele Dinge und Ereignisse eine ganz neue Perspektive, löst sich von vielleicht eingefahrenen Denkmustern.

Wie sieht der Redaktionsalltag bei der "Kulturzeit" aus? Wo liegen die Unterschiede zu anderen Kulturformaten wie "Hauptsache Kultur" oder "ttt – Titel, Thesen, Temperamente"?

Simon Broll: Jeden Tag rund 40 Minuten Kultur zu präsentieren und brisante Gesellschaftsfragen zu verhandeln – das bedarf natürlich einer ganz anderen Arbeitsweise als es Kulturmagazine verlangen, die einmal wöchentlich laufen. Klar gibt es Beiträge, die mit genügend Vorlauf verwirklicht werden können. Um allerdings auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren, setzen wir auch stark auf sogenannte Reporterstücke: Filme zwischen zwei und vier Minuten Länge, die aus dem Tag heraus gestemmt werden und meist einen essayistischen, ausgefallenen Zugang zum Thema bieten. Oft dienen sie als Einstieg, um mit einem Gesprächsgast das Ereignis tiefer zu erörtern. Die "Kulturzeit" verlangt von uns Redakteuren, spontan und flexibel zu reagieren.

Ein Kulturmagazin zu Corona-Zeiten, wie geht das zusammen? Wie hat die Pandemie, hat der Lockdown die Themen der "Kulturzeit" verändert?

Cécile Schortmann: Zu Beginn des Lockdowns haben wir erstmal gebibbert, ob wir überhaupt logistisch durchhalten und täglich weitersenden können, wenn die physisch im Mainzer Büro anwesende Redaktion aufs Nötigste reduziert, der Rest der Mannschaft ins Homeoffice geschickt werden muss, und auch im Studio die nötigen Hygienemaßnahmen gelten. Nina Brunner und Peter Schneeberger konnten gar nicht mehr aus der Schweiz und aus Österreich nach Deutschland einreisen, um im Wechsel mit Vivian Perkovic und mir zu moderieren. So mussten wir, die beiden Deutschen im Team, die Show plötzlich fast allein vor der Kamera stemmen. Diese besondere Situation hat aber dann viel Energie – auch zum Improvisieren – beim ganzen Redaktionsteam freigesetzt und uns zum Glück keinen Moment lang in ein inhaltliches Loch manövriert.

Simon Broll: Wir haben sehr schnell Sonderreihen entwickelt, die für Orientierung sorgen sollten. In unserem "Corona-Tagebuch" ließen wir Philosophinnen und Philosophen aus allen 3sat-Ländern zu Wort kommen, um über unseren neuen Umgang mit Distanz, Solidarität oder Freiheitsrechten nachzudenken. Außerdem war uns wichtig, eine Plattform für die von der Pandemie stark gebeutelte Kulturbranche zu schaffen. Deshalb gab es die Reihe "Kultur trotz(t) Corona", in der wir Künstlerinnen und Künstlern einen Teil der Sendung überließen und sie baten, uns Videos über ihr Leben und ihre Arbeit im Lockdown zu senden.

Cécile Schortmann, im Februar dieses Jahres hatten Sie einen sehr besonderen Co-Moderator. Wie kam es dazu?

Cécile Schortmann mit Roboter Pepper

Cécile Schortmann: Wir haben eine Sendung über Künstliche Intelligenz gemacht, und da wollten wir genau die auch zum Mit-Moderieren einsetzen. Das ist ein spannendes, aber nicht unumstrittenes Feld. Aber ich muss sagen, nach der Begegnung mit Roboter Pepper bin ich erstmal entspannt, was die Machtübernahme der KI über Welt und Mensch betrifft. Noch kann Pepper keineswegs selbstverständig denken und handeln. Und so müssen wir Moderatoren*innen auch keine Angst haben, dass Pepper uns – wie er kokett geäußert hat – den Job wegnehmen könnte.

Auf was darf sich der Zuschauer in den Jubiläumssendungen freuen?

Simon Broll: Den Jubiläumstag werden wir mit einer "Kulturzeit extra"-Ausgabe begehen. Unter dem Motto "Zeitenwende" schauen wir am 2. Oktober unter anderem mit dem Sozialpsychologen Harald Welzer darauf, wie die Corona-Pandemie unsere Welt wahrscheinlich verändern wird. Für den 17. Oktober haben wir uns dann ein besonderes Highlight überlegt: eine "Kulturzeit"-Show mit vielen Gästen aus den Bereichen Literatur, Musik oder Film, die gemeinsam mit uns auf die vergangenen 25 Jahre blicken. Das alles zur Primetime auf 3sat. Außerdem gibt es im Internet viel zu entdecken: Auf 3sat.de/kulturzeit25 haben wir Videos und besondere Momente aus dem vergangenen Vierteljahrhundert zusammengetragen.

Ihre ganz persönlichen Glückwünsche zum 25. Geburtstag?

Cécile Schortmann: Cool, Clash, Culture! Weiterhin!  

Christine Romann: Auf die nächsten 25 Jahre – und niemals den "Kulturzeit-Blick" verlieren!

Ursula May: Ich wünsche mir und 3sat, dass es die "Kulturzeit" in 25 Jahren noch gibt – und dass sie weiter so engagiert, diskussionsfreudig und bunt gemacht wird. 

Simon Broll: Viel Mut, Kraft und Kreativität für die digitale Zukunft – um auch junge Leute für Kultur zu begeistern.

Weitere Informationen

Die Sendung

„Kulturzeit“ ist immer montags bis freitags von 19.20 bis 20 Uhr in 3sat zu sehen. Das gemeinsame Redaktionsteam der 3sat-Partner ARD, ZDF, ORF und SRF berichtet aus Deutschland, Österreich und der Schweiz über das kulturelle Leben in seiner ganzen Bandbreite. Mehr Infos rund um das große Jubiläum gibt es hier.

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