Im prunkvollen Saal des Hessischen Stadtschlosses stehen die Personen im Halbkreis

Ein Bundesverdienstkreuz am Bande - darüber kann sich hr2-kultur-Programmchef Hans Sarkowicz freuen. Für sein Engagement im Bildungswesen und für die Literatur wurde ihm der bedeutende Orden am 26. August von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier - stellvertretend für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier - ausgehändigt. Wo der Unterschied zwischen Hören und Zuhören liegt und warum er gerne nachts spazieren geht, erzählt der gebürtige Gelnhausener im Interview. 

Sie haben zahllose Bücher und Hörbücher verfasst oder herausgegeben, Sie sind ehrenamtlich in mehreren Kommissionen, Geschichtsvereinen und Stiftungen aktiv, außerdem engagieren Sie sich für den Sport. Wieso hat Ihr Tag mehr als 24 Stunden?

Hans Sarkowicz: Ach, das ist ziemlich einfach (lacht). Die Arbeit im hr macht mir sehr viel Spaß. Spaß ist ein wichtiges Kriterium, denn wenn einem etwas Spaß macht, hat man automatisch mehr Energie. Das habe ich auch bei der Stiftung Zuhören erfahren: Wenn man die Begeisterung der Kinder mitbekommt und dann auch noch die der Eltern, dann färbt das einfach ab. Also bleibt man dabei und führt das Projekt fort. 

Sie entwickeln Projekte bei der Stiftung Zuhören, die die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern. Generell fällt auf, dass Ihnen wohl die Ohren als wichtigstes Sinnesorgan erscheinen. Warum haben Sie eigentlich noch keinen eigenen Podcast?

Hans Sarkowicz: Ich kann diese "Drohung" wahrmachen, am 1. August 2021 gehe ich ja in Pension. Ich weiß aber garnicht, wie man als Pensionär leben soll. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, meine professionelle Ausrüstung, die ich zuhause habe, für einen Podcast zu nutzen.
Und zu den Ohren: Ja, es stimmt, die Forschung sagt auch, dass die Ohren unser wichtigstes Sinnesorgan sind, da man sich damit gut im Raum orientieren kann. Deshalb glaube ich auch, dass Hörspiele oder generell das Hören eine große Zukunft haben werden. Hören kann man natürlich im besten Fall automatisch, zuhören muss man lernen. Deshalb produzieren wir Hörspiele mit Jugendlichen und Kindern, die dann beispielsweise zum ersten Mal erleben, wie es sich anhört, wenn man Wasser aus einer Gießkanne auf einen Stein gießt. Durch die Hörspielproduktion lernen sie auch, wie man Töne und Geräusche manipulieren und was man mit Sprache alles anstellen kann. So erlangen sie spielerisch ihre Medienkompetenz.

Sie sind zu allem anderen noch sehr sportbegeistert. Das erinnert mich an meinen Deutsch-Tutor in der Schule, der reiste zu allen Olympischen Spielen und jeder Fußball-Meisterschaft. Warum gibt es so eine große Schnittmenge zwischen Literaturbegeisterten und Fußballbegeisterten?

Sarkowicz: Ich halte ja sehr viel von Fußball. Auch von seiner integrativen Kraft. Ich habe beispielsweise ein Buch gemacht zusammen mit dem Torhüter der afghanischen Nationalmannschaft, der in Bremen mit Geflüchteten gearbeitet hat. Sport ist wirklich ein Motor der Integration. Kinder mit Kriegserfahrung lernen in einer Fußballmannschaft ganz spielerisch die Regeln einer deutschen Gesellschaft. Das passiert hier wesentlich einprägsamer als wenn sie es im Unterricht lernen müssten. Aber um zu Ihrer Frage zurückzukommen: Literatur und Sport haben schon immer eine enge Verbindung gehabt. Das liegt einfach daran, dass es beim Sport eine große Emotionalität und Leidenschaft gibt. Genau die brauchen Sie auch, um einen guten Roman zu schreiben. In den 20er und 30er Jahren begeisterten sich die Schriftsteller fürs Boxen, jetzt ist es eben der Fußball. Ich selbst jedenfalls würde nie die Bundesliga-Schlusskonferenz verpassen, das ist doch ein akustisches Ereignis!

Gab es einen besonderen Auslöser oder eine Erfahrung, die ihr vielseitiges Engagement ausgelöst hat?

Sarkowicz: Zum einen fing das natürlich an, als meine Kinder begannen, Fußball zu spielen, da habe ich mich im Verein engagiert. Und das macht man natürlich weiter. Bei der Stiftung Zuhören bin ich "reingewachsen". Wir kamen ursprünglich aus der hochkulturellen Ecke, sind dann aber bodenständiger geworden und haben direkt mit den Kindern gearbeitet. Wir sind vor allem in viele sogenannte Brennpunktschulen und -kitas gegangen. Das war oft so bewegend, dass sich eine emotionale Bindung aufbaut. Der hr hat die Stiftung auch immer während der vergangenen Jahre unterstützt, das war sehr wertvoll und dafür bin ich sehr dankbar.

Ihr Wahlspruch ist ein Goethe-Zitat "Es irrt der Mensch, so lang er strebt." Was lesen Sie aus diesem Satz?

Sarkowicz: Ja, den Spruch habe ich sogar im Büro hängen! Wer nicht den Mut hat, etwas bewegen zu wollen, der bewegt auch nichts. Dabei entstehen natürlich Irrtümer, und nur die bringen uns weiter. Wichtig ist, dass wir diese Irrtümer akzeptieren und im Nachgang versuchen, es besser zu machen.

Gibt es auch mal Zeiten, in denen Sie bewusst nichts tun?

Sarkowicz: Diese Zeiten habe ich mir aufgehoben für meine Rente (lacht). Nein, im Ernst: Ich lese natürlich sehr gern Sachbücher und Romane und manchmal auch richtig sinnlose Sachen wie Autozeitschriften. Außerdem gehe ich liebend gern nachts in der Stadt spazieren, das ist optisch und akustisch immer wieder ein Erlebnis.

Wo im Hause Sarkowicz wird der Orden seinen Platz finden?

Sarkowicz: An keinem besonderen Ort und tragen werde ich ihn auch nur bei seltenen Anlässen. Obwohl man tatsächlich eine offizielle Anweisung bekommt, wie und mit welcher angemessenen Kleidung man ihn tragen darf. Jedenfalls nicht mit Jeans oder an einem Mantel. 


Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Hessischen Staatskanzlei sowie in deren Pressemitteilung [PDF - 322kb].

Auf hr2-kultur.de finden Sie alles Wichtige zum Programm. Viele Informationen bietet die Webseite der Stiftung Zuhören.

Weitere Informationen

Bundesverdienstkreuz

Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss stiftete im Jahr 1951 den Verdienstorden der Bunderepublik Deutschland. Er wird für besondere Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland sowie für Leistungen im politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Bereich verliehen. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird in acht Stufen verliehen. Im Folgenden sind sie nach Höhe der Stufen geordnet, beginnend mit der niedrigsten: Verdienstmedaille, Verdienstkreuz am Bande (umgangssprachlich: "Bundesverdienstkreuz"), Verdienstkreuz 1. Klasse, Großes Verdienstkreuz, Großes Verdienstkreuz mit Stern, Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband, Großkreuz sowie Sonderstufe des Großkreuzes.

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