Akademist*innen 2019: (v.l.) Wandi Xu, Yu Gyeong Jeong, Dennis Pientak, Theresia Schmalian, Manuel Fernández Álvarez, Matthew James Higham, Pauline Spiegel, Emely Kubusch, Holger Roese.

Junge Musiker*innen dabei unterstützen, einen Einstieg in die Arbeit bei einem Orchester zu finden - das hat sich die Orchesterakademie des hr-Sinfonieorchesters zum Ziel gemacht. Seit fünf Jahren lernen Stipendiaten hier nicht nur, orchesterbezogen zu spielen sondern zum Beispiel auch, wie man Lampenfieber bekämpft.

Der berufliche Einstieg in Orchester von internationalem Rang wird für junge Musiker*innen zunehmend schwieriger. "Die Anforderungen steigen stetig, und in der Hochschulausbildung lernt man einfach nicht alles, was man für das Spielen in einem professionellen Orchester braucht", sagt Peter Zelienka, Geiger beim hr-Sinfonieorchester und Projektleiter der hiesigen Orchesterakademie. Die Akademie des hr-Sinfonieorchesters bereitet junge Nachwuchsmusiker*innen auf eine erfolgreiche Arbeit in renommierten Orchestern vor, und das mittlerweile seit fünf Jahren.  

"Bis heute haben wir bereits 17 junge Musiker und Musikerinnen ausgebildet, zwei Absolventinnen haben wir selbst übernommen, andere sind bei anderen Orchestern untergekommen", erzählt Peter Zelienka mit Freude. Mit fünf Stipendien hat die Orchesterakademie 2014 ihre Arbeit aufgenommen. Durch die Unterstützung der Gesellschaft der Freunde und Förderer des hr-Sinfonieorchesters e.V. sowie großzügige Zuwendungen der Dr.-Hans-Feith-und-Dr.-Elisabeth-Feith-Stiftung, der Anna-Ruths-Stiftung und der Mäzene Werner Brandt, Hendrik Haag und Udo Schweickhardt konnte inzwischen die zehnte Stipendiatenstelle geschaffen werden.

Vor fünf Jahren auf Initiative der Orchestermusiker*innen gegründet

Die jungen Musiker*innen kamen bisher aus Spanien, Frankreich, Deutschland, China, England, Korea und der Schweiz. Sie passen also gut zum aus 22 verschiedenen Nationalitäten bestehenden hr-Sinfonieorchester. Leidenschaft, Spielkultur und musikalische Erfahrung an junge, hochtalentierte Nachwuchsmusiker*innen weiterzugeben, ist das Ziel der Akademie, die auf Initiative der Orchestermusikerinnen und –musiker gegründet wurde. Denn während der Ausbildung an der Musikhochschule lerne man natürlich das klassische Repertoire kennen, aber "orchesterbezogen zu spielen", das komme vor allem durch das Zusammenspiel mit professionellen Kollegen, so Zelienka.

Peter Zelienka ist der Projektleiter der Orchesterakademie.

Fagottistin Theresia Schmalian, Jahrgang 1993, ist seit April 2018 in der Orchesterakademie des hr-Sinfonieorchesters. Von ihrem Studium an der Musikhochschule Stuttgart ist sie derzeit befreit, und sie wird ihren Bachelor-Abschluss im Anschluss an ihre Akademiezeit ablegen. Die gebürtige Dresdnerin ist mit dem Angebot in Frankfurt rundum zufrieden und schätzt vor allem die netten Kolleginnen und Kollegen: "Man lernt unglaublich viel, bewusst und wahrscheinlich noch viel mehr unbewusst", sagt sie, "ich kann mir aussuchen, bei wem ich Unterricht haben möchte, jede Woche einmal rund 90 Minuten." Jedem Stipendiaten ist je ein Kollege aus dem Orchester als Mentor zur Seite gestellt, der den Stipendiaten hauptverantwortlich betreut, der Ansprechpartner ist und auch Unterricht erteilt. "Das heißt aber nicht, dass die Stipendiaten sich nicht auch Rat bei jemandem anderen holen könnten", sagt Peter Zelienka. Theresia ist sich sicher, dass sie dieses Knowhow, das sie hierbei und durchs praktizierende Orchesterspiel mitbekommt, auf diese intensive Weise auf der Hochschule nicht vermittelt worden wäre: "Man spielt im Studium eher wenig Orchester", sagt sie.

Auch mentales Training gehört dazu

Die Akademisten lernen in der zweijährigen Ausbildung die musikalischen Anforderungen eines Spitzenorchesters unter professionellen Bedingungen kennen. Sie sind in den komplexen künstlerischen Arbeitsalltag des hr-Sinfonieorchesters integriert und wirken bei den Proben, Konzerten, CD-Produktionen und Tourneen mit. "Und einmal im Jahr gestalten die Stipendiaten ein Kammermusik-Konzert, bei dem sie das Programm selbst zusammenstellen, proben und im Sendesaal aufführen", erzählt Peter Zelienka. Zur ganzheitlichen Ausbildung gehören zudem Einzelunterricht bei Mitgliedern des hr-Sinfonieorchesters sowie ein spezielles Mentaltraining, um Lampenfieber und Auftrittsangst zu bekämpfen und mit der nervlichen Anspannung vor Probespielen gut umzugehen. "Dieses Coaching übernimmt derzeit unser Solo-Trompeter Jürgen Ellensohn, der ausgebildeter Mentaltrainer ist", erklärt Zelienka, "und wir bieten unseren Nachwuchsmusikern regelmäßig Kurse in der sogenannten ‚Alexander-Technik‘. Das ist eine Methode, die dabei hilft, körperliche Fehlhaltungen zu erkennen und zu ändern." So werden die jungen Musiker nicht nur technisch fit gemacht, sondern auch mental und körperlich auf den Beruf des Profimusikers vorbereitet.

Dieses komplette Ausbildungsangebot des hr-Sinfonieorchesters hat sich mittlerweile herumgesprochen und ist so attraktiv, dass sich auf ein Stipendium zwischen 50 und 100 Hochschulabsolventen bewerben. "Bei der Flötenstelle hatten wir sogar 150 Bewerber, das war Rekord", berichtet Zelienka.

Weitere Informationen

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www.hr-sinfonieorchester.de/orchesterakademie

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