Philipp Schild, neuer funk-Geschäftsführer

Philipp Schild kam als Student zum hr und wurde Redaktionsleiter in der Fernsehunterhaltung, bevor er das junge Content-Netzwerk von ARD und ZDF mit aufgebaut hat. Jetzt wird er zum 1. Dezember Chef des jungen Programms. Im Interview spricht er über Erfolgskriterien und die nächsten Schritte bei "funk".

Jeanette Sallwey: Philipp, du hast funk vier Jahre lang mit aufgebaut, jetzt wirst du Geschäftsführer. Wie werden die nächsten vier Jahre aussehen – für funk und für dich?

Philipp Schild: Ich habe Teile von funk stark mitgeprägt und deshalb ist auch keine 180-Grad-Wende zu erwarten. Trotzdem werden wir einige strategische Handlungsfelder angehen. Das Portfolio von funk ist ständig in Bewegung, ein großer Teil der Zielgruppe kennt und nutzt funk bereits, jetzt müssen wir noch den Rest erreichen. Deswegen werden wir ein starkes Augenmerk auf die Portfoliosteuerung legen und die Steuerungsinstrumente stetig weiterentwickeln. Wir werden auch im Podcast-Markt Akzente setzen, in diesem Segment können wir noch neue Zielgruppen erschließen. Und die Zusammenarbeit mit ARD und ZDF werden wir noch weiter intensivieren. Unsere Programme altern, unser Auftrag bleibt aber, 14- bis 29-Jährige zu erreichen. Deshalb ist es für uns wichtig, Programme in den Landesrundfunkanstalten der ARD oder im ZDF weiter zu entwickeln und sie zu übergeben, damit wir Platz für neue, jüngere Angebote haben. Walulis ist da ein gutes Beispiel. Gerade entsteht im SWR eine wöchentliche TV-Show, die auf die Ausspielung in der Mediathek optimiert wurde.

funk erreicht kontinuierlich mehr junge Menschen in der Zielgruppe. Wie habt ihr das geschafft?

Ich glaube, dass das einer Mischung aus vielen Komponenten zu verdanken ist. Zunächst mal einem unfassbar tollen Team. Egal in welcher funk-Redaktion: Überall sitzen Leute mit wahnsinnig viel Herzblut an ihren Programmen. In Verbindung mit prozessorientierten und holokratischen Strukturen schaffen wir es, schnell zu agieren und so mit einem sich permanent verändernden Markt mitzuhalten. Außerdem einfach mit gutem Programm für die unterschiedlichsten Communities. Wir haben viele gute und sehr diverse Creator*innen vor der Kamera, die für ihre User*innen brennen und diese mit den besten Inhalten im Markt erreichen wollen. Wir haben eben nicht nur eine Zielgruppe, sondern ganz viele verschiedene. Für diese Menschen hat funk ein Angebot von über 70 Formaten und das direkt auf den Drittplattformen, also dort, wo 14- bis 29-Jährige unterwegs sind und auf funk.net.

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"funk" im Netz

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Geht da noch mehr?

Aktuell haben 70 Prozent der 14- bis 29-Jährigen schon mal das funk-Angebot genutzt, 82 Prozent kennen funk und/oder eine unserer Formatmarken. Laut Auftrag sollen wir alle 14- bis 29-Jährigen erreichen und es spornt uns natürlich auch an, das zu schaffen. Es ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Und da unsere Zielgruppe immer neu nachwächst, werden wir nie fertig sein oder uns auf den aktuellen Zahlen ausruhen. Wir bleiben weiter hungrig.

Viele kennen zwar den funk-Schriftzug, Jungs zum Beispiel durch die Sport-Satire "WUMMS" - dass funk von ARD und ZDF und damit beitragsfinanziert ist, übersehen sie. Soll das noch anders werden?

Für uns ist wichtig, dass unsere Zielgruppe versteht, wie unsere Inhalte durch den Rundfunkbeitrag finanziert werden. Daran arbeiten wir auch kontinuierlich, aber uns ist auch bewusst, dass es in diesem Punkt Geduld braucht auch wenn wir uns sonst bei funk in vielen anderen Themenfeldern sehr schnell bewegen. "WUMMS" ist ein gutes Beispiel: Wir messen regelmäßig, wie bekannt unsere Formatmarken in unserer Zielgruppe sind und auch, wie gut die Verknüpfung mit ARD und ZDF ist. In der Tat haben wir bei "WUMMS" Handlungsbedarf festgestellt, das ist aber nicht außergewöhnlich. Gerade kürzlich hat deshalb ein Markenworkshop stattgefunden. Ziel: die Marke besser über die Inhalte transportieren. Das machen wir bei Bedarf routinemäßig und systematisch in allen unseren Programmen. Dadurch haben wir es geschafft, dass mittlerweile die Hälfte der Nutzer*innen, die unsere Dachmarke funk kennt, auch weiß, dass wir von ARD und ZDF sind. Wir messen hier Jahr für Jahr eine immer bessere Zuordnung. Unsere Maßnahmen scheinen also erfolgreich zu sein. Mittlerweile müssen wir uns nach nur vier Jahren nicht mehr vor Vergleichen mit großen öffentlich-rechtlichen Medienmarken scheuen, die teilweise bereits Jahrzehnte existieren, aber in unserer Zielgruppe weniger bekannt sind als funk.

Welches neue funk-Format wird demnächst für Aufmerksamkeit sorgen?

Das kommt bei uns immer auf die Nutzer*innen und deren Interessen an. Aktuell experimentieren wir mit einigen unserer Formate und versuchen uns in längeren Formen. Da wird zum Beispiel das "Browser Ballett" im Dezember spannend. Außerdem sind wir sehr stolz darauf, dass Leeroy mit seinem Kanal "Leeroy will's wissen" zu funk gekommen ist. Bei unserem Politikformat "Die Da Oben" wird sich jetzt im Vorfeld zur nächsten Bundestagswahl einiges tun. Im fiktionalen Bereich ist "DRUCK" aktuell in einer sehr aufregenden Phase, weil wir erstmals komplett eigene Handlungsbögen haben, die nicht mehr vom norwegischen Vorbild "Skam" inspiriert sind. Und natürlich werden unsere Formate auch passend für ihre Zielgruppen über die US-Wahl berichten.