Verzweifelt und entsetzt am Schreibtisch: Joachim Król im ARD-Dokudrama "Gier frisst Herz"
Was haben wir bloß getan?! Joachim Król als verzweifelter Banker im ARD-Doku-Drama "Gier frisst Herz" Bild © hr/ AVE Publishing / Dominik Berg

Die Gier frisst … das mühsam Ersparte auf. Vom Schicksal ahnungsloser Sparkassenkunden erzählt das Dokudrama "Lehman. Gier frisst Herz" am 23. September im Ersten – eine Koproduktion unter Führung des hr. Redaktionsleiterin Esther Schapira über ein faszinierendes Genre und erschütternde Geschichten.

Vor zehn Jahren geschieht das Undenkbare. Am 15. September 2008 geht eine der weltweit größten Investmentbanken pleite: Lehman Brothers. Dies löst eine der schwersten Finanzkrisen weltweit aus.

Esther Schapira
Esther Schapira, Leiterin der Fernsehabteilung „Politik und Gesellschaft“ im hr Bild © hr

"Es gibt Tage, die bleiben im Gedächtnis. Sie teilen das Leben ein in die Zeit davor und danach. Der 15. September 2008 war so ein Tag für mehr als fünfzigtausend Anleger in Deutschland. Viele von ihnen verloren an diesem Montag nicht nur ihre Rücklagen, sondern auch das Vertrauen in ihre Sparkasse."

So beschreibt es Esther Schapira, Leiterin der Fernsehabteilung "Politik und Gesellschaft" im Hessischen Rundfunk. Unter ihrer Leitung und Federführung des hr entstand das große Dokudrama "Lehman. Gier frisst Herz", eine ARD-Koproduktion für Das Erste. Der Film zeichnet den Countdown bis zum großen Crash nach und dies vor allem aus der Perspektive der Sparkasse und ihrer Kunden – emotional, faktenbasiert, spannend. Für viele der 50.000 Anleger, die ihr Geld in vermeintlich sichere Lehman-Zertifikate investiert hatten, führte die Lehman-Pleite zu einer persönliche Katastrophe: den Verlust ihrer Altersabsicherung, des Spargroschens der Kinder, ihres Ersparten.

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"Lehman. Gier frisst Herz"

Dokudrama mit Joachim Król, Mala Emde, Oliver Stokowski, Susanne Schäfer (ARD-Koproduktion des NDR, BR und rbb unter Federführung des hr mit der Filmproduktion AVE Publishing, gefördert von HessenFilm).
Sendetermine:

  • Sonntag, 23. September, 21:45 Uhr, Das Erste
  • Dienstag, 25. September, 23:45 Uhr, Das Erste (Wiederholung)
  • sowie nach Ausstrahlung jederzeit in der ARD-Mediathek
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"Die Welt des schnellen Geldes und der große Crash der Investmentbank Lehman Brothers in New York sind mehrfach gekonnt und unterhaltsam verfilmt worden. Das Augenmerk lag dabei immer auf den Bankern, den Spielern, den Finanzjongleuren, dem Glamour des Boni-Universums. Bis heute nicht erzählt ist die Geschichte aus der Perspektive der klammen Kommunen und Gemeinden, die ihren Haushalt clever sanieren wollten. Auch die  Sicht der Sparkassen stand noch nie im Mittelpunkt des Interesses. Entweder wussten sie nicht oder sie wollten nicht wissen, wie riskant die angeblich sicheren Papiere mit den vorgeblichen Traumrenditen waren. Insbesondere ihre Opfer spielten in Filmen bisher höchstens Nebenrollen. Es waren häufig alte Kunden,  die `ihrer‘ Bank seit Jahren vertrauten. Erstmals spielen jetzt die Opfer die Hauptrolle. Ihre Perspektive, ihre Geschichten wollten wir einem großen Publikum zugänglich machen, als wir uns für die Form des Doku-Dramas entschieden. Viel zu häufig nämlich gerät aus dem Blick, dass es am Ende nicht um abstrakte Zahlen, sondern um sehr konkrete Schicksale geht. 'Gier frisst Hirn', sagt ein Bankberater im Film, der anonym erzählt, wie Kunden über den Tisch gezogen wurden. Die Gier aber frisst eben nicht nur Hirn sondern auch Herz. Skrupellos wurde das Vertrauen der Kunden ausgenutzt."

Mit versteinerten Minen: Oliver Stokowski und Susanne Schäfer als betrogene Bankkunden
Schlechte Nachrichten: Oliver Stokowski und Susanne Schäfer als betrogene Bankkunden Bild © hr/ AVE Publishing/ Dominik Berg

Die radikale Offenheit in den Interviews überrasche und fessele zugleich, so Schapira. Die Spielszenen des Dokudramas – mit hochkarätigen Schauspielern besetzt – richten den Blick einerseits auf das Schicksal ahnungsloser Bankkunden wie einem Wirtsehepaar (gespielt von Susanne Schäfer und Oliver Stokowski), die durch die Bankenpleite sämtliche Ersparnisse verlieren und andererseits auf das Verhalten von Bankberatern, oft nicht minder ahnungslos, die unter Druck von oben zu skrupellosen Verkäufern werden. Darunter der Sparkassenangestellte Arno Breuer (Joachim Król), der gegen sein Bauchgefühl Lehman-Zertifikate verkauft, und die junge Onlinebankerin Nele Fromm (Mala Emde), die auf der Jagd nach fetten Boni rücksichtslos agiert. Die fiktionale Inszenierung beruht auf intensiven Gesprächen mit Insidern, auf Erinnerungen verantwortlicher Akteure aus der Bankenwelt und der Politik, auf  Aussagen von Geschädigten und historisches Material.

"Im Dokudrama ergänzen sich fiktional verdichtete Handlung und dokumentarische Interviews – die erzählerischen Möglichkeiten gehen über die eines reinen Spielfilms oder einer reinen Dokumentation hinaus. Wir sind überzeugt von der Stärke dieses Genres und arbeiten innerhalb der ARD in unterschiedlichen Konstellationen an hochwertigen Koproduktionen. 'Lehman. Gier frisst Herz' ist der Auftakt einer neuen Dokudrama-Staffel im Ersten."

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"Das Sparen funktioniert nicht mehr"

Markus Gürne, Leiter der ARD-Börsenredaktion Fernsehen und Moderator der "Börse im Ersten", über die Folgen der Lehman-Pleite fürs Sparen und für die Berichterstattung

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