Tony Lakatos Jazzpreis 2020

"Der Preis bedeutet mir wirklich sehr viel", sagt Tony Lakatos und freut sich sehr über den Hessischen Jazzpreis 2020. Wir haben mit dem freiheitsliebenden Tenorsaxofonisten, der seit 1993 Mitglied der hr-Bigband ist, gesprochen.

"Ich war richtig überrascht, als der Brief vom Ministerium kam", erzählt Tony Lakatos, "aber ich freue mich natürlich sehr darüber, dass meine Arbeit nun auch für ein breiteres Publikum sichtbar wird." Auch dass es ein hessischer Preis sei, findet er gut. "Die hr-Bigband macht einen großen Teil meines Lebens aus, ich würde sagen rund 75 Prozent", so Lakatos. Das andere Viertel seiner Zeit steckt er in eigene, oft internationale Projekte. So ist der umtriebige Musiker nur wenige Tage vor dem Lockdown aus Singapur zurückgekommen. "Ich hatte Glück, ich bin nur vier Tage vorher in Frankfurt gelandet."

Lakatos wurde ohne Probespiel vom Fleck weg engagiert

Aus Budapest stammend war Lakatos seit 1978 immer wieder für Gastspiele in Deutschland und übersiedelte schließlich 1981 ganz hierher. "Zuerst habe ich in München gewohnt, dann bin ich 1993 nach Frankfurt gekommen. Jetzt ist Deutschland bzw. Hessen meine erste Heimat geworden, nicht etwa meine zweite, wie viele andere wohl sagen würden." Zu Ungarn hat er kaum noch Verbindungen, Grund ist das für ihn, der aus einer Roma-Familie stammt, demokratiefeindliche Regime. Umso besser war dann auch das Jobangebot, das er von der hr-Bigband bekam, unüblicherweise ganz ohne Probespiel. "Ja, das war ganz lustig", erinnert sich Lakatos, "ich war für Christof Lauer eingesprungen bei einem Konzert, und am Ende spielten nur noch der Solist Clare Fisher und ich zusammen. Das ist anscheinend sehr gut angekommen." So gut, dass der damalige Bigbandleader Kurt Bong ihn direkt engagierte.

Seitdem hat er in über 300 CD-Produktionen und zahllosen Konzerten mitgewirkt. "Jazz bedeutet für mich vor allem Freiheit. Wenn Du die Regeln im Jazz kennst, kannst Du dich dort total frei bewegen." Lakatos, der aus einer Budapester Musikerfamilie stammt, lernte als Kind zunächst Geige. "Ich habe es gehasst", sagt er heute. Stattdessen stieg er – als einziger in seiner Familie – aufs Saxofon um. "Das Saxofon ist der menschlichen Stimme sehr ähnlich", sagt Lakatos, "wenn man es spielt, klingt das so, als würde man singen." Die Freude an der Musik und die Möglichkeiten des Jazz bringt der weitgereiste Musiker allen Interessierten nahe. Nicht nur beispielsweise bei der jährlichen Hessen-Schultour der hr-Bigband, sondern auch bei Meisterkursen oder Workshops, die er auf der ganzen Welt gibt. "Da sind Leute zwischen 18 und 80 dabei", so Lakatos, "ich glaube, das gibt es nur im Jazz: dass so unterschiedliche Altersgruppen und musikalische Levels aufeinandertreffen, und alle haben Spaß."

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„Er steht einfach auf und spielt die Sterne vom Himmel“ Zitat von Olaf Stötzler, Orchstermanager
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So ist es für ihn nur logisch, dass er das Preisgeld in zwei Produktionen investieren möchte, die er für 2021 mit internationalen Künstler*innen in New York plant. So wird Lakatos mal wieder dazu beitragen, den hessischen Jazz über die Grenzen hinweg bekannt zu machen. Diese Freiheit, seine Projekte ganz nach seinen Vorstellungen zu verwirklichen, weiß er sehr zu schätzen: "Dafür, dass ich solche Projekte wie Workshops, Masterclasses oder eben solche Aufnahmen immer machen durfte, bin ich dem jeweiligen Orchestermanager, jetzt also Olaf Stötzler und auch unserem Hörfunkdirektor Heinz Sommer sehr dankbar!" Dankbar und begeistert ist auch Olaf Stötzler: "Wir sind ebenfalls sehr stolz darauf, dass Tony diesen Preis bekommt. Er ist einer unserer großartigen Solisten, von deren Performance in einem Konzert so viel für das ganze Ensemble abhängt. Er steht einfach auf und spielt die Sterne vom Himmel – und nimmt uns gebannt auf seine Reise mit. Jedes Mal!"

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Vita Tony Lakatos

1958 in Budapest in eine Musikerfamilie geboren, begann Antal "Tony" Lakatos mit sechs Jahren Geige zu spielen. Mit 15 Jahren wechselte er entgegen der Familientradition zum Saxofon und begann ein Jazzstudium an der Bela Bartók Musikhochschule in Budapest, das er 1979 abschloss. 1981 übersiedelte er nach Deutschland. Nach mehreren Aufenthalten in den USA lebt er heute in Neu-Isenburg.
Lakatos ist ein weltweit gefragter Gastmusiker und spielte unter anderem mit Jasper Van't Hoff, Kirk Lightsey, Al Foster, George Mraz, Billy Hart, Joanne Brackeen, Cecil Mc Bee, Woody Shaw, Anthony Jackson, Terry Lynn-Carrington, Randy Brecker, Chuck Loeb, Kenny Wheeler. Seine Diskographie umfasst mehr als 300 CDs und LPs. Die Aufnahme von George Gershwins "Porgy&Bess" mit der hr-Bigband gewann den "Deutschen Schallplatten Preis 2009".
Tony Lakatos tourt und gibt Meisterkurse und Workshops weltweit. In der hr-Bigband spielt er seit 1993 Tenorsaxofon, Sopransaxofon und Flöte.

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Der Preis und die Begründung der Jury

Der Hessische Jazzpreis ist eine seit 1991 jährlich verliehene Auszeichnung des Bundeslands Hessen zur Förderung und Entwicklung der Jazzmusik und der Jazz-Musiker*innen in Hessen. Er wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst vergeben und ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotiert. In den Satzung der Stiftung lauten die wesentlichen Passagen: "Der Hessische Jazzpreis soll Musikerinnen und Musikern, Ensembles oder dem Jazz verbundenen Persönlichkeiten für ihre musikalischen Leistungen oder für besondere Verdienste um die Entwicklung der hessischen Jazzszene auszeichnen. Über die Vergabe … entscheidet eine unabhängige Jury. Vorschläge sind an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu richten, das sie an die Jurymitglieder weiterreicht."

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