Auf Nahrung verzichten - und das soll gesund sein?

Heilfasten, Intervallfasten - Fasten liegt im Trend. Passend zum Beginn der Fastenzeit hören wir noch einmal genauer hin bei der hr-iNFO Funkkolleg Folge 8: "Gesundes Nichts". Kleiner Spoiler: Es kann tatsächlich gesund sein, hin und wieder nichts zu essen.

Fasten ist eine uralte Praxis in den Weltreligionen. So beginnt mit dem Aschermittwoch beispielsweise die Fastenzeit für die Christen. Doch der Grund, weshalb viele Menschen so gut auf das Fasten reagieren, reicht weit zurück, weiß Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin: "Es gab gute und schlechte Jagdzeiten, Dürrephasen, klimatische Unwägbarkeiten - der Körper ist insofern sehr gut darauf eingestellt, einen Wechsel von Viel-Essen und Nicht-Essen zu tolerieren."

Während das Fasten zu früheren Zeiten also eher eine unfreiwillige Angelegenheit war, würden heute viele Menschen freiwillig heilfasten. Die positiven Folgen blieben dennoch die gleichen: Eine Art "Müllrecycling" wird in Gang gesetzt. Denn durch Essenspausen gewöhnt sich der Körper daran, mal Kohlehydrate, mal Fette zu verbrennen. Der Stoffwechsel wird so flexibler und der Körper lernt, wieder besser auf Insulin zu reagieren. Auch wenn Lebensmittel ständig verfügbar sind, braucht der Körper den gelegentlichen Nahrungsverzicht, um richtig zu funktionieren, sagt Andreas Michalsen.

Stimmungsaufhellende Wirkung evolutionär bedingt

Doch kann Fasten tatsächlich Krankheiten heilen? In der hr-iNFO-Funkkolleg-Folge berichtet Schmerzpatient Andreas Riede, dass nach einer Woche Fasten nicht nur die Schmerzen zurückgegangen seien, auch seine Belastungsgrenze sei höher. Auch die an Rheuma erkrankte Sabine Peters berichtet von einer Linderung ihrer Beschwerden durch Nahrungsverzicht. Wie sich Fasten auf die Gesundheit auswirkt, ist noch längst nicht vollständig erforscht.

Einen Zusammenhang zwischen Essenpausen und Wohlbefinden scheint es aber zu geben. So hat der Nahrungsverzicht häufig sogar stimmungsaufhellende Wirkung: Viele berichten, sich beim Fasten euphorisch und leicht zu fühlen. Das sei evolutionär bedingt, erklärt Michalsen, denn wenn man beispielsweise in der Steinzeit tagelang nichts zu essen fände, "wäre es ja fatal, wenn der Körper in dem Moment in eine Antriebslosigkeit oder Apathie verfallen würde."

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Zum Artikel auf hr-inforadio.de Gesundes Nichts – Fasten (Folge 08)

Funkkolleg Ernährung
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