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Bild © hr/Sebastian Reimold

Wie kann sich der Hessische Rundfunk zukunftsfähig aufstellen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Hessische Rundfunk seit über einem Jahr. Jetzt hat die Geschäftsleitung strategische Richtungsentscheidungen vorgestellt. Klar ist: Die Veränderungen betreffen das ganze Haus. Ein Überblick.

Der Hessische Rundfunk hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit seinem bestehenden Programmangebot, mit der veränderten Mediennutzung und den Folgen der Digitalisierung beschäftigt. Zuletzt hatte Intendant Manfred Krupp bei der Sitzung des hr-Rundfunkrats, der Öffentlichen Hauptversammlung am 28. Juni, erklärt: "Deutlich wird, dass wir umsteuern müssen, um insbesondere jüngere Zielgruppen und alle Nutzerinnen und Nutzer digitaler Angebote erreichen zu können. Hier mehr zu machen bedeutet, an anderer Stelle zu reduzieren und auch auf lieb gewonnene Formate zu verzichten." Richtungsweisende Initiativen wurden nun von der Geschäftsleitung eingeleitet und werden Ende August im Rundfunkrat beraten. Die genaue Ausgestaltung sowie einzelne Maßnahmen wurden noch nicht festgelegt. Die Umsetzung erfolgt im nächsten Schritt gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen und im Dialog mit den Gremien.

Derzeit erreicht der hr mit seinen Angeboten werktäglich 64 Prozent aller Hess*innen ab 14 Jahren, insbesondere mit linearen Programmen. Klar ist aber: Die Nutzergewohnheiten der jüngeren Menschen – und zunehmend auch der älteren – verändern sich. Sie erwarten, auch digitale Angebote zu finden, die sie jederzeit nutzen können, so wie sie dies von Video-On-Demand-Angeboten und Streamingdiensten gewöhnt sind. Der Hessische Rundfunk wird sich daher stärker auf die digitale Nutzung seiner Angebote ausrichten. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen diese Angebote auch für jüngere Zielgruppen attraktiv sein.

Für die künftige hr-Kulturberichterstattung hat eine interne Expertengruppe einen Vorschlag erarbeitet, dem die Geschäftsleitung gefolgt ist. Die Strategie "digital first" bedeutet, dass regionale Kulturberichterstattung verstärkt über das Onlineangebot hessenschau.de erfolgt und Kulturinhalte mit besonderem Fokus für die ARD-Audiothek und ARD-Mediathek entwickelt werden. Damit kommen wir dem kulturaffinen Publikum entgegen und folgenden zwei Trends: zeitunabhängige und mobile Nutzung. Unserem Qualitätsanspruch werden wir hier weiterhin gerecht. In der Konsequenz wird das Radioprogramm hr2-kultur in eine Klassikwelle umgewandelt, die attraktive Inhalte aus und für Hessen mit klarem Blick auf das Musikleben kompetent und lebendig präsentiert – nicht "wortfrei", aber stärker um die Klassik als Hauptinhalt zentriert.

Das wiederum bedeutet, dass auch die Ausrichtung der anderen hr-Radioprogramme überprüft werden muss. Mit hr-iNFO beispielweise hat der hr ein überaus erfolgreiches Wortprogramm, das über die Grenzen Hessens hinaus seine Hörer*innen findet. Hier wird es eine weitere Profilierung des Themas Kultur geben. hr3 wird als reichweitenstärkster Radiosender und Flaggschiff weiter ausgebaut.

Für das Fernsehen werden neue Formate konsequent mit Blick auf jüngere Zielgruppen entwickelt. Unsere Erfahrung sagt: Angebote für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer begeistern oft auch ältere, umgekehrt funktioniert das dagegen nicht. Die Ausrichtung der neuen Formate auf die ARD-Mediathek markiert die neue Strategie weg von dem klassischen Fernsehen hin zum ganzheitlich geplanten Bewegtbild, bei der Videoformate künftig im linearen Fernsehprogramm zweitverwertet werden können. Das passiert beispielsweise gerade mit der zweiten Staffel der sehr erfolgreichen Dokureihe "Mittendrin – Flughafen Frankfurt", die jüngst in der ARD-Mediathek gestartet ist.

Ziel des Veränderungsprozesses ist es, digitale Produkte grundsätzlich zu stärken und für alle Zielgruppen auszubauen. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei Formate für Menschen unter 35 Jahre. "Wir wollen uns lieber auf wenige, aber erfolgsversprechende Produkte und Themenbereiche konzentrieren", so die Geschäftsleitung. Thematische Schwerpunkte in der digitalen Welt werden regionale Information, Media-/Audiothek, regionale Kultur, Wetter, Wirtschaft/Finanzen und Sport sein. Insbesondere die Hessenschau soll als digitales Angebot ausgebaut werden.