Andrea Schafarczyk

Hessen befindet sich mitten im zweiten Teil-Lockdown. "Unser Leben mit Corona" heißt der große Thementag des Hessischen Rundfunks am Mittwoch, überall da, wo der hr ist: im Netz, im Radio, im Fernsehen und in den sozialen Medien. Andrea Schafarczyk beschäftigt sich als hr-Chefredakteurin jeden Tag mit allen journalistischen Aspekten rund um Corona. Im Interview beantwortet sie Fragen zum Thementag, und erklärt, was der hr in diesen schwierigen Zeiten für die Menschen in Hessen leisten kann.

Seit Monaten ist Corona Dauerthema in allen Medien, auch bei uns. Warum brauchen wir dennoch einen solchen Thementag?

Andrea Schafarczyk: Ein Thementag kann jenseits der tagesaktuellen Berichterstattung den Schwerpunkt viel mehr auf Hintergründe, Zusammenhänge, unterschiedliche Einschätzungen und Interpretationen von Fakten legen. Er kann einen Überblick geben über das, was wir über das Virus wissen und wie wir in Hessen damit umgehen. Darüber hinaus verschafft ein Schwerpunkt einem Thema eine besondere Aufmerksamkeit. Unsere Programme haben unterschiedliche Blickwinkel auf das Leben in der Region und erreichen ein unterschiedliches Publikum. So kommt ein facettenreiches Bild in einer besonderen Zeit zustande.

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Wie zufrieden sind die Hess*innen mit dem Coronamanagement?

Die meisten Hess*innen sind mit dem Corona-Krisenmanagement der Landesregierung zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt der "Hessentrend", eine vom Hessischen Rundfunk in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage von infratest dimap. Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema.

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Was uns besonders interessiert: Wie bewerten die Menschen in diesem Land die Maßnahmen gegen Corona, wie zufrieden sind sie mit dem Krisen-Management? Dazu haben wir extra eine Studie in Auftrag gegeben. Wir fragen die Menschen darin, was sie besorgt und wie sich Corona auf ihre Beziehungen auswirkt. Es ist uns wichtig zu erfahren und in den Programmen widerzuspiegeln, wie es ihnen in diesen Zeiten der Belastung geht. 

Es gibt ja nicht nur den Corona-Thementag, wir berichten fortwährend über die Pandemie. Was können unsere Nutzer*innen vom hr erwarten?

 Sie bekommen bei uns den aktuellen Stand der Entwicklung und werden unabhängig von Interessen informiert. Das Bedürfnis nach Orientierung ist weiterhin groß. Das zeigt unter anderem der große Zuspruch für den Corona-Ticker und den Newsletter von hessenschau.de. Die guten Quoten bei hessenschau oder hr-iNFO seit Beginn der Pandemie zeigen, dass wir für das Publikum ein wichtiger Begleiter bei diesem Thema sind. Sehr gut angenommen wurde auch unser Corona-Update oder die gemeinsame Sendung aller hr-Programme „Wir hören dich“ zum Thema. Die nächste Ausgabe ist am Mittwoch in einer Woche.

Lässt sich sagen, dass es ein Bedürfnis gibt, sich aus einer hessischen Perspektive zu informieren?  

Der persönliche Nahbereich ist genau das, was interessiert: Wie sind die Infektionszahlen in meiner Umgebung? Wo muss eine Schule schließen? Wie geht es den Firmen, Gastronom*innen oder Künstler*innen in meiner Gegend? Dazu gibt es das Bedürfnis nach guten Beispielen und Ideen, mit der Krise umzugehen. Durch unsere Studios und Reporter*innen im ganzen Land können wir dies sicher bieten.  

Es geht also nicht nur um die täglichen Infektionszahlen, R-Werte und Schaubilder?  

Es geht um Orientierung und persönliche Geschichten: um Menschen und Schicksale, die einen bewegen, von denen man vielleicht etwas lernen kann oder denen man helfen möchte. Die verschiedenen Perspektiven auf dieses Thema, das unser komplettes Leben betrifft, wünschen sich die Menschen auch in der Berichterstattung. 

Gerade die Qualitätsmedien sind immer wieder in der Kritik, nicht ausgewogen genug zu berichten. Davon sind wir nicht ausgenommen. Kommen bei uns nicht genug Kritiker*innen der Pandemiemaßnahmen zu Wort?  

Wir haben als hr in einer Studie sehr gute Noten für die Berichterstattung bei der ersten Welle der Pandemie bekommen. Auch die Meinungsvielfalt wurde gelobt. Das heißt nicht, dass wir alles richtig machen. Wir sind in den Redaktionen darüber ständig im Gespräch: Wie können wir die Vielfalt abbilden? Was ist die richtige Art und Weise der Einordnung, damit Meinungen nicht einfach nur nebeneinanderstehen? Der Thementag ist auch deshalb entstanden. Er soll verschiedene Fakten, Einschätzungen und Perspektiven aufzeigen. 

Stichwort kritische Stimmen: Ein hr-Interview vor einigen Wochen mit dem emeritierten Professor Sucharit Bhakdi, der die Corona-Lage völlig anders einschätzt als die Mehrheit in Wissenschaft und Politik, hat für viel Aufsehen und Kritik gesorgt. Was hat der hr daraus gelernt? 

Dass wir uns mehr Zeit dafür nehmen müssen zu überlegen, wie wir etwas auf den Sender bringen. Das wie ist entscheidend. Die Menschen nehmen eine Polarisierung in der Gesellschaft wahr. Wissenschaftliche Einschätzungen werden mittlerweile als persönlich gefärbte Meinungen wahrgenommen. Es gibt einen großen Erklärungsbedarf. Um dem nachzukommen, braucht es Zeit für Recherche und die richtige Umsetzung. Sucharit Bhakdi und seine Aussagen hätten von uns besser eingeordnet und in einen Kontext gestellt werden müssen. Und wir müssen offenlegen, wenn Interviews nicht live und von uns sind. Das ist in diesem Fall nicht geschehen – und das tut uns leid. Wir haben das ausführlich in der Redaktion nachbesprochen.   

Wie gehen Sie persönlich mit dem Thema Corona um? Verfolgen Sie noch alle Neuigkeiten oder schalten Sie auch einmal ab?

Ich bin News-Junkie und kann nicht genug von diesem und vielen anderen Themen bekommen. Ich verstehe aber auch, wenn man mal eine Pause braucht.  

Nun bestehen unsere vielfältigen hr-Angebote zum Glück nicht nur aus Corona-News. Was können Sie den Nutzer*innen empfehlen?  

Bei uns gibt es sehr viel zu entdecken: Die neue hessenschau bietet einen bunten Themenmix und eine neue Optik. Zum „Abschalten" gibt es die wunderbaren Hörspiele bei hr2-kultur und ganz aktuell auch am späten Abend in hr1, es gibt unser umfangreiches Bildungs- und Wissensangebote für Kinder und Jugendliche, das Funkkolleg, die Service- und Kultursendungen im hr-fernsehen und vieles mehr. Schauen Sie in die ARD-Mediathek, in die ARD-Audiothek!

Das heißt, hier finde ich Dinge, die es anderswo so nicht gibt?  

Dafür arbeiten die hr-Mitarbeiter*innen jeden Tag. Gerade in diesen besonderen Zeiten versuchen wir, die Menschen in Hessen über unsere Inhalte zusammenzubringen: sei es über den Tatort, beim Radiohören oder Stöbern in unseren umfangreichen digitalen Angeboten. Ganz egal, ob sie Unterhaltung oder Information suchen. Das ist unser Auftrag und unsere Leidenschaft.  

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Programmtipps zum "hr-Thementag Corona" am 11. November

  • "hessenschau extra": Unser Leben mit Corona - 20:15 Uhr im hr-fernsehen
  • hr-iNFO: Das Interview mit Jens Brase, Covid-Patient - 19:35 Uhr und im gesamten Tagesprogramm
  • YOU FM: Antikörpertests aus der Drogerie - Wie hilfreich sind sie? - YOU FM Good Morning Show (wochentäglich 5:30 bis 10:00 Uhr)
  • hr4: Werra Meissner Kreis hat die niedrigste Infektionsrate seit den Sommerferien. Auf Spurensuche in Bad Sooden-Allendorf - Britta am Vormittag (10:00 bis 12:00 Uhr)
  • hessenschau.de/Corona: Informationen rund um das Coronavirus in Hessen
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