Regisseurin Emily Atef

Der Hessische Rundfunk zeigt am Sonntag um 20:20 Uhr einen neuen Frankfurt-Tatort mit dem Titel "Falscher Hase". Regie führt Emily Atef, die zusammen mit Lars Hubrich auch das Buch schrieb. Entstanden ist eine rabenschwarze Gaunerkomödie. Wir haben mit der Regisseurin über ihre – auch ganz persönlichen – Inspirationen gesprochen.

"Falscher Hase" ist eine spannende Mischung aus Krimi, Komödie und einer Liebesgeschichte. War der Genremix beim Drehen ein Glücksfall, oder erforderte er mehr Konzentration?

Emily Atef: Für mich als Autorin und Regisseurin ist es eine schwarze Komödie, aber für die Figuren selbst ist es ein krasses Drama. So zum Beispiel für Sahni und Uwe, die jetzt die seltenen Erden besitzen und sie loswerden müssen. Sie machen dabei absurde Sachen, aber für sie selbst ist es nicht absurd. Das Inszenieren ist für mich genau so intensiv, und es muss genauso wahrhaftig sein wie bei einem Drama. Einzig bei dem Rhythmus der einzelnen Szenen muss man etwas genauer hinschauen.

Der Tatort ist angelehnt an den Klassiker "Fargo". Was hat Sie an "Fargo" fasziniert, und welche Elemente haben Sie im "Falschen Hasen" integriert?

Emily Atef: Mich hat immer die Welt der Coen-Brothers begeistert. Obwohl ich mehr für meine Drama-Inszenierungen bekannt bin, liebe ich schwarze Komödien. Mich haben vor allem die einfachen Menschen fasziniert – wie in unserem Film Biggi und Hajo. Sie sind gezwungen, ihre Leute zu entlassen, wollen das nicht und versuchen aus der Situation herauszukommen. Und durch ihre Lügengebäude wird es immer schlimmer. Es sind Menschen, die man liebt, weil sie das Herz am rechten Fleck haben.

Die Geschichte spielt im Milieu der einfachen Leute mit kleinkriminellem Hintergrund. Was war die Herausforderung bei der Entwicklung der Figuren?

Emily Atef: Ich kenne viele Menschen aus dem Milieu schon von Jugend an. In Frankreich haben z.B. Nachbarn einen Versicherungsbetrug begehen wollen und ihre Garage in Brand gesetzt. Dabei haben sie versehentlich das ganze Haus abgefackelt. Und die Versicherung, die natürlich viel schlauer ist, hat es herausbekommen. Sie haben alles verloren.

Besonders auffällig ist eine Szene, in der Rick (Friedrich Mücke) und Anouk (Johanna Wokalek) Sex haben. Wie kamen Sie auf Idee für die ungewöhnliche Perspektive?

Emily Atef: Warum ungewöhnlich? Wie viele nackte Frauen durften die Zuschauer seit der Erfindung des Kinematografen der Brüder Lumière sich anschauen? Die meisten Zuschauer sind weiblich, wo sind also die nackten Männer? Ich finde es wunderbar, wenn es gut hergeleitet ist, nackte Frauen zu sehen. Aber ich finde es genauso wunderbar, wenn es gut hergeleitet ist, nackte Männer zu sehen. Die Szene mit Rick und Anouk hat beim Inszenieren wahnsinnig viel Spaß gemacht, weil beide Schauspieler viel Humor und so eine Lust hatten, das zu spielen. Johanna Wokalek sagte, sie hätte noch nie eine derartige Femme fatale gespielt.