Komparsin Ethel Dadam wird in der Maske geschminkt.
Komparsin Ethel Dadam wird in der Maske für den Dreh geschminkt. Bild © hr/Patrick Brückel

Am Sonntagabend schaut halb Deutschland den neuesten "Tatort" und plötzlich sind Sie im Bild. Wenn Sie diese Vorstellung begeistert, sollten Sie sich als Komparse bewerben. Wir haben die Statisten am Set der aktuellen "Tatort"-Produktion begleitet und machen Sie in 17 Bildern "drehfertig".

Die Ruhe vor dem Ansturm

Blick ins Fernsehstudio 1, in dem die Kulisse einer fiktiven Talkshow aufgebaut ist.
Bild © hr/Patrick Brückel

Um 8 Uhr ist das Fernsehstudio 1 im Frankfurter Funkhaus am Dornbusch des Hessischen Rundfunks noch menschenleer, nur die ungewöhnliche Kulisse weist darauf hin, dass hier etwas Besonderes geschieht. Heute wird hier keine Fernsehsendung für das hr-fernsehen aufgezeichnet, sondern ein neuer "Tatort" gedreht.

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Die Folge "Das Monster von Kassel" kreist um den Tod des Sohnes eines Talkshowmoderators – dazu werden natürlich auch Szenen einer fiktiven Talkshow benötigt. Das verrät auch schon etwas über die Aufgabe der Komparsen am heutigen Drehtag: Sie spielen das Talkshow-Publikum. Bis zu 130 Menschen braucht es an diesem Tag, um eine realistische Talkshow-Atmosphäre entstehen zu lassen.

Organisation ist alles

Die hr-Mitarbeiterinnen Astrid Sic und Maria Stähle sitzen mit einer Komparsin auf einer Bank.
Bild © hr/Patrick Brückel

Eine Massenszene verlangt eine präzise Organisation: Astrid Sic (rechts) und Maria Stähle (links) sind die Hüterinnen der Komparsenkartei im hr und sorgen dafür, dass die richtigen Komparsen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Das ist zunächst ein großer Verwaltungsaufwand, der von der Kontaktaufnahme über Info-Mails bis zur Bezahlung reicht. Mit einigen Komparsen arbeiten die beiden schon seit Jahren zusammen. Auch Margitta Zenker (Mitte) ist seit mehr als sechs Jahren immer wieder bei hr-Filmproduktionen dabei.

Die Atmosphäre am Set ist sehr familiär: "Lange nicht gesehen, geht’s dir gut?" hört man an jeder Ecke. Einige Komparsen erzählen sich, bei welchen Drehs sie in den letzten Monaten waren. Für einen Drehtag erhält jeder Komparse eine kleine Aufwandsentschädigung, viele nehmen sich sogar einen Tag Urlaub für den Dreh. "Die meisten machen aber nicht wegen des Geldes mit. Manche sind selbst Schauspieler oder Laiendarsteller, die Seterfahrung suchen, für andere ist es eine willkommene Abwechslung. Die meisten kommen aber wegen der netten Mitkomparsen", erklärt Astrid Sic.

Passt das so?

Komparse Martin Schlemmer zieht sich in der Garderobe das passende Outfit für den Dreh an.
Bild © hr/Patrick Brückel

Martin Schlemmer hat heute seinen ersten Tag als Komparse. Der Architekt wollte schon immer bei einem Filmdreh dabei sein und zieht sich in der Garderobe im Studiobau das passende Outfit für die Szene an. Wie in der Mail beschrieben, hat er zwei bis drei Outfits zur Auswahl mitgebracht: unauffällige Alltagskleidung in gedeckten Farben – passend zum Motto "Talkshowpublikum". Zusammen mit der Kostüm-Abteilung hat er ein Jeanshemd und eine beige Hose ausgewählt. Und hält sich damit an die wichtigsten Vorgaben: keine leuchtenden Farben, keine Muster, keine Aufschriften. Sonst würde die Kleidung entweder die Zuschauer an den Bildschirmen ablenken oder das Bild zum Flimmern bringen.

Dezentes Make-up in zehn Minuten

Komparsin Ethel Dadam wird in der Maske geschminkt.
Bild © hr/Patrick Brückel

Studiolicht verzeiht nichts, daher geht es nach der Garderobe in die Maske. Für Ethel Dadam (links) ist dieser Gang schon Routine, sie ist seit neun Jahren Komparsin: "Mein Sohn ist damals zu einem Dreh einer Hochzeitsszene in den Rheingau eingeladen worden und ich habe ihn hingefahren. Da wurde ich gefragt, ob ich auch mitmachen möchte. Und seitdem bin ich regelmäßig bei Drehs." Ethel arbeitet halbtags, für sie ist die Komparserie ein Hobby: "Ich mag einfach die Atmosphäre und die Möglichkeit, bei einer spannenden Produktion mitzuwirken." Maskenbildnerin Ursula Denfeld hat heute die Aufgabe, den Komparsen ein dezentes Make-up, passend zur Kleidung, aufzutragen. Nach einem kurzen Gespräch mit Ethel entscheidet sie, bei ihr den blauen Lidstrich zu entfernen.

Die Maske arbeitet bei so vielen Menschen im Akkord. Rund zehn Minuten hat Ursula für Haare und Make-up. Gestylt werden jedoch nur die Komparsen, die in einer Nahaufnahme zu sehen sind, bei denen, die weiter hinten sitzen, reicht ein kurzes Abpudern. Kritischer Punkt bei vielen Komparsinnen ist die Frisur. Lange Haare wandern oftmals von einer Schulter auf die andere oder werden im Laufe des Drehtages hinter die Ohren gesteckt. Sieht ein Talkshowzuschauer in einer Szene dann plötzlich ganz anders aus, kann die Einstellung unbrauchbar werden. Ursula greift hier zu einem Trick: "Wir verwenden viele Haargummis und Klämmerchen und binden Zöpfe oder fixieren das Haar, sodass es immer gleich aussieht."

Endlich einsatzbereit

Die Komparsen Ethel Dadam, Martin Schlemmer und Pauline Meignan lächeln in die Kamera.
Bild © hr/Patrick Brückel

Nach Garderobe und Maske sind Ethel und Martin drehfertig. Dazugestoßen ist Neukomparsin Pauline Meignan (rechts), die auch auf ihren ersten Dreheinsatz wartet.

Kein Dreh mit leerem Magen

Zwei Komparsen holen sich an einem Imbisswagen etwas zu essen.
Bild © hr/Patrick Brückel

Ein Klassiker an jedem Filmset ist der Imbisswagen mit dem Catering für die Crew. Die Komparsen werden nach dem Frühstück den ganzen Tag über auch mit Wasser, Kaffee, Keksen und Obst versorgt. Weil heute aber ein besonders langer Drehtag ansteht und bis in den späten Abend gearbeitet wird, gibt es auch ein Mittagessen.

Warten, warten, warten

Die Komparsen stehen im Flur und warten auf ihren Einsatz.
Bild © hr/Patrick Brückel

Vor dem Dreh der Massenszene mit 130 Komparsen herrscht Gedränge auf den Gängen des Fernsehstudios, alle warten auf ihren Einsatz. Die Anspannung steigt, gleich geht es ins Studio. Wegen der großen Anzahl an Komparsen werden mit Loszetteln drei Gruppen gebildet, damit alle besser koordiniert und betreut werden können.

Sammeln vor dem Studio

Zahlreiche Komparsen warten vor den Fernsehstudios.
Bild © hr/Patrick Brückel

Die Warm-Upperin, die normalerweise bei Unterhaltungsproduktionen dem Publikum den Einsatz zum Klatschen gibt, informiert über den Ablauf im Studio. Sie wird heute die Komparsen anleiten und ihnen bei jeder Szene sagen, welche Stimmung in welchem Moment transportiert werden soll.

In der Höhle des Löwen

Zahlreiche Komparsen treffen im Fernsehstudio ein.
Bild © hr/Patrick Brückel

Die Komparsen betreten das Fernsehstudio 1, wo sonst Formate wie "hessenquiz" oder "strassenstars" aufgezeichnet werden. Auf der bestuhlten Empore links im Bild sollen alle Platz nehmen, dort sitzen sonst auch die "echten" Zuschauer.

Achtung, Aufnahme!

Vor dem Studio: Das rote Licht leuchtet neben einer Tür mit der Aufschrift "Dreharbeiten: Durchgang verboten! – Bitte nur über Seiteneingang"
Bild © hr/Patrick Brückel

Das rote Licht am Eingang zum Studio leuchtet, jetzt darf nicht mehr gestört werden. Daneben steht griffbereit die Notfallkleiderstange des Kostüms – falls sich eine Bluse oder ein T-Shirt beim Blick in den Monitor doch noch als nicht kameratauglich erweisen.

Der richtige Platz

Zahlreiche Komparsen sitzen als Publikum im Fernsehstudio.
Bild © hr/Patrick Brückel

Im Studio heißt es derweil Platz nehmen, aufrücken und vor allem: Platz merken! Das ist bei den vielen Drehpausen sehr wichtig, denn sitzt ein Komparse später woanders, können Einstellungen nicht verwendet werden.

"Talk mit Jansen" aus Kassel

Im Fernsehstudio führt der fiktive Moderator ein Interview mit einem fiktiven weiblichen Talkgast.
Bild © hr/Patrick Brückel

Auf der Bühne werden die ersten Talkshowszenen mit Talkshowmoderator Maarten Jansen, gespielt von Barry Atsma, gedreht. Jansens Talkgast ist Paula Keller, verkörpert von "Germany’s Next Topmodel"-Teilnehmerin Taynara Wolf. Da die fiktive Talkshow "Talk mit Jansen", wie der Tatort selbst, in Kassel spielt, finden sich in der Studiokulisse jede Menge Kasseler Wahrzeichen.

Klatschen, pfeifen, trampeln

Die Komparsen applaudieren als fiktives Publikum.
Bild © hr/Patrick Brückel

Die Komparsen verhalten sich so, wie man es von einem Talkshowpublikum erwartet: Es wird euphorisch geklatscht, gepfiffen und getrampelt. Als Talkmaster Jansen jedoch vom Tod seines Sohnes erzählt, muss das Publikum betroffen, traurig und still sein. Das ist vorallem deshalb gar nicht so einfach, da nicht chronologisch gefilmt wird und die Komparsen schnell zwischen unterschiedlichen Stimmungen wechseln müssen.

"Und bitte!"

Zwischen den Aufnahmen geht es im Studio hektisch zu: Die Maske kontrolliert das Make-up, das Kostüm den Sitz der Kleidung, der Regisseur spricht mit den Schauspielern.
Bild © hr/Patrick Brückel

Zwischen den Aufnahmen geht es auf der Bühne hektisch zu, die Maske kontrolliert das Make-up, das Kostüm den Sitz der Kleidung. Regisseur Umut Dağ bespricht mit den Schauspielern Textänderungen. Manchmal muss eine kurze Einstellung mit nur wenigen Sätzen mehrfach nachgedreht werden. Das ist auch für die Komparsen eine Herausforderung – sie müssen über Stunden konzentriert bleiben. Am Set hat der Regisseur immer das erste und das letzte Wort. Erst wenn er "Und bitte!" ruft, kann das Schauspiel beginnen.

Schweigen und warten

Die Komparsen sitzen im Fernsehstudio und warten auf ihren nächsten Einsatz.
Bild © hr/Patrick Brückel

Statistenveteranin Margitta fasst die Hauptaufgaben eines Komparsen kurz zusammen: "Schweigen und warten". Einige nutzen die Zeit zwischen den Drehs um etwas zu lesen oder sich mit dem Smartphone zu beschäftigen.

Endlich Drehschluss

Nachdem die letzte Szene gedreht ist, warten die Komparsen im Fernsehstudio und sind gespannt, ob der Regisseur zufrieden ist.
Bild © hr/Patrick Brückel

Die letzte Szene ist abgedreht, die finale Schlussklappe geschlagen. Ob dem wirklich so ist, entscheidet der Regisseur und alle hoffen, dass er mit der Aufnahme zufrieden ist. Ist er. Und so heißt es um 19:30 Uhr und nach mehr als zehn Stunden: Drehschluss für heute.

Erschöpft aber glücklich

Die Komparsen Pauline Meignan, Martin Schlemmer und Ethel Dadam stehen vor der Kulisse im Fernsehstudio.
Bild © hr/Patrick Brückel

So ein Komparsentag ist zwar körperlich und mental anstrengend, aber auch eine tolle Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen. "Ich habe hier schon sehr viele nette Menschen kennengelernt. Es fühlt sich manchmal so ein bisschen wie ein Klassentreffen an", schwärmt Ethel Dadam (rechts) und verrät noch einen Vorteil des Komparsenlebens: "Oft weiß man schon ein Jahr vor der Ausstrahlung, wer der Mörder ist." Alle anderen müssen bis zur Premiere des Tatorts "Das Monster von Kassel" am 12. Mai warten.

Weitere Informationen

Melden Sie sich an!

Der Tatort "Das Monster von Kassel" läuft am Sonntag, 12. Mai, um 20:15 im Ersten.
Sie möchten Komparse bei einer hr-Produktion werden? Dann melden Sie sich bei:

Astrid Sic/Maria Stähle (FS Spiel und Spielfilm)
Komparsenkartei
Bertramstraße 8
60320 Frankfurt

Telefon: +49 (0)69 155 3095 oder +49 (0)69 155 5719
E-Mail: astrid.sic@hr.de oder maria.staehle@hr.de

Laden Sie sich hier den Aufnahmeantrag in die Komparsendatei herunter. [PDF - 43kb]

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