Alisa Schmitz und Marvin Mendel sitzen in einem Tonstudio und schauen in die Kamera.

Wie fühlt es sich an, täglich Dutzende Hassnachrichten, Beleidigungen und Verschwörungserzählungen lesen zu müssen und zu überlegen, was ist noch Meinung und was gehört nicht auf unsere Seite? In "Im Haifischbecken - der Social-Media-Podcast" sprechen Alisa Schmitz und Marvin Mendel über ihre Erlebnisse in den Kommentarspalten bei Facebook, Instagram & Co.

Alisa Schmitz und Marvin Mendel arbeiten in der Social-Media-Redaktion von "Hessenschau" und "Maintower". Beide wissen, wie sich Hassnachrichten anfühlen – aber auch, was es an wertvollen Kommentaren im Netz gibt. Warum sie einen neuen Podcast gestartet haben und was die Hörer*innen erwartet, haben sie im Gespräch mit hr.de erzählt.

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ARD-Audiothek

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Was war bisher das einschneidendste Erlebnis beim Community-Management?

Marvin Mendel: In den letzten Jahren gab es mehrere schwierige Momente, im letzten Jahr war es zum Beispiel der Anschlag von Hanau. Da waren wir schon nachts sehr schnell mit Falschnachrichten konfrontiert, die wir zu betreuen hatten. Ich fand die Tatsache, dass so schnell schon sehr viele Falschinformationen und verschwörungstheoretische Inhalte herumgereicht wurden, sehr bemerkenswert. Das hat uns über mehrere Tage beschäftigt.

Gibt’s auch schöne Erlebnisse?

Alisa Schmitz: Wir hatten heute unter einem Post eine Nutzerin, die gesagt hat: "Danke, dass ihr uns jeden Tag informiert und euch jeden Tag die Mühe gebt." Es müssen gar nicht große Themen sein, sondern einfach zwischen diesem ganzen Hass, der ja wirklich da ist, oder den Falschinformationen, die wir alle prüfen müssen, einfach mal öffentlich zu lesen, dass Leute gut finden, was wir machen. Das gibt einem immer einen kleinen Aufschwung.

Marvin Mendel: Wichtig ist für uns auch, wie viel Input wir von unseren Nutzer*innen zurück bekommen, sollte zum Beispiel mal etwas nicht stimmen. Niemand ist unfehlbar. Wir bekommen auch sehr viele Anregungen für Themen. Gerade in der Corona-Zeit haben wir viele Infos bekommen, was den Leuten fehlt, wo sie noch mehr wissen möchten.

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Die Hosts

Alisa Schmitz hat zuerst beim Radio gearbeitet, bevor sie 2019 ein Volontariat beim hr begann. Seit diesem Jahr arbeitet sie in der Social-Media-Redaktion von "Hessenschau" und "Maintower". Außerdem berichtet sie für den hr über Kultur-Themen.

Marvin Mendel ist seit 2016 im hr. Er arbeitet hauptsächlich in der Social-Media-Redaktion von "Hessenschau" und "Maintower". Außerdem ist er einer der Hosts des Podcasts "Fußball 2000".

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Was macht ein gutes Community-Management aus?

Marvin Mendel: Wir sind darum bemüht, Diskussionsräume zuzulassen und die Möglichkeit zu geben, sich facettenreich über ein Thema auszutauschen, aber halt in einer respektvollen Art und Weise. Das heißt, dass wir unterschiedliche Facetten und Meinungen unter unserem Post wollen, aber dass das vom Ton her auf einer Ebene passieren muss, wo man sich ins Auge schauen kann.

Alisa Schmitz: Wichtig ist auch, dass innerhalb von Medienhäusern gesehen wird, dass Community-Management ein Job ist, den man nicht nebenbei machen kann. Man kann nicht Räume in sozialen Medien öffnen wollen, ohne sich darum zu kümmern, was die Leute einem sagen. Man muss zum einen darauf Rücksicht nehmen, was die Leute sich wünschen oder bemängeln, aber man muss eben auch in Diskussionen gehen und Fragen beantworten oder einschreiten, wenn jemand Falschinformationen verbreitet.

Worauf achtet ihr beim Community-Management?

Marvin Mendel: Es gibt natürlich Richtlinien, wir haben unsere Netiquette und auf die achten wir. Anfeindungen, Beleidigungen und verschwörungsmythologische Inhalte haben bei uns nichts zu suchen. Es geht aber auch darum, mit Feingefühl an die Sache herranzugehen, es gibt kein Schema F.

Alisa Schmitz: Das ist auch in unserer ersten Folge ein Thema. Wir reden beim Community-Management ja hauptsächlich über eine schriftliche Kommunikation. Es gibt keine Mimik und keine Gestik. Man weiß nicht, ist das, was wir oder die Nutzer*innen schreiben, zum Beispiel mit einem Schmunzeln gemeint. Es gibt zwar auf der einen Seite klare Regeln, aber man muss bei jedem Post auch zwischen den Zeilen lesen lernen.

Was erwartet die Hörer*innen in den weiteren Folgen?

Alisa Schmitz: Wir wollen aktuelle Themen aufgreifen, an denen wir dann auch Mechanismen erklären können: Warum ist etwa dieser Katzen-Post so erfolgreich, aber ein anderer mit einer vielleicht wichtigen Info nicht so sehr, was steckt dahinter? Wir wollen vielfältig abbilden, was in den sozialen Netzwerken passiert und was uns da bei der Arbeit begegnet.

Marvin Mendel: Wir wollen auch einen Inneneinblick geben und erklären, wie wir arbeiten und wo wir vielleicht etwas falsch eingeschätzt haben. Niemand ist unfehlbar, und wir wollen zum Beispiel auch zeigen, was wir woran gelernt haben und was wir heute anders machen würden.