Stage at Seven

"Das Beste draus machen" – so könnte man den Job beschreiben, den die Tonmeister*innen im Hessischen Rundfunk zurzeit haben. Wir haben mit den Menschen gesprochen, die seit Wochen dafür arbeiten, dass die täglichen "Stage@Seven"-Konzerte von hr-Sinfonieorchester und hr-Bigband so gut klingen wie die Aufführungen vor der Corona-Pandemie.

"Um bei einer Aufnahme ein gutes Ergebnis zu erzielen, sollten sich die Musiker*innen wohlfühlen. Und damit sie sich wohlfühlen, sollten sie sich gut hören", fasst es Tonmeister Udo Wüstendörfer pragmatisch zusammen, der seit vielen Jahren zusammen mit seinen Kollegen Philipp Knop, Christoph Claßen, Robin Bös und Lisa Harnest für die Tonqualität des hr-Sinfonieorchesters zuständig ist. Dies wird derzeit durch die von der Berufsgenossenschaft empfohlenen Abstände zwischen den einzelnen Instrumentalist*innen erschwert. "Wenn man in einem Duo spielt, ist das noch relativ einfach", so Wüstendörfer, "aber schon in einem Quartett sind die beiden äußeren Musiker so weit von einander entfernt, dass sie sich weniger gut hören."

Stage at Seven

Umso mehr gilt das nun für Ensembles, die noch mehr Musiker*innen versammeln, wie beispielsweise das Antares Ensemble, das Stücke mit bis zu 13 Bläsern präsentiert. "Dafür haben sich unsere Beschallungskollegen ein System überlegt, wie man kleine Monitorboxen vor die Musiker*innen platziert, damit sich auch die weiter entfernt sitzenden Kolleg*innen gut und mit dem richtigen Timing hören können", erläutert Wüstendörfer. "Schall hat eine gewisse Geschwindigkeit, und unsere Bühne ist rund 24 Meter breit. Für eine solche Strecke braucht der Schall rund 70 Millisekunden", so Wüstendörfer weiter, "das klingt nicht nach viel, ist es aber." Pauker beispielsweise kennen das Problem des Tonversatzes, da sie naturgemäß hinter dem Orchester sitzen und somit am weitesten weg von allen. "Die müssen also immer einen Tick früher spielen."

Viele Mikrofone

Die großen Abstände auf der Bühne haben zur Folge, dass bei einer Aufnahme deutlich mehr Mikrofone als bisher zum Einsatz kommen. "Wenn die Musiker*innen in normalen Formationen sitzen, reicht oft ein zentrales Mikrofon, das wir über die Bühne hängen", erklärt Wüstendörfer. "Für mich sind unsere Tonmeister echte Zauberer“, schwärmt denn auch Solo-Hornist Marc Gruber, der kürzlich das Hornkonzert von Mozart präsentierte. "Man muss tatsächlich so spielen, als wäre man nicht zusammen", erzählt er. Ziemlich ungewohnt, „aber wir waren total froh, dass wir endlich wieder spielen durften." Das betont auch Cellistin Christiane Steppan, die in einer Orchesterbesetzung mit rund 30 Kolleg*innen spielte. "Unsere Instrumentengruppe saß relativ zentral und hat den Dirigenten gut gesehen", so Steppan. Andere Kolleg*innen brauchten den Dirigenten auf einem Bildschirm vor sich, da ihre Position aufgrund der Abstandsregeln teilweise hinter dem Dirigenten war.

Neues Setting für die hr-Bigband in voller Besetzung

Sein Kollege Axel Gutzler, der Tonmeister der hr-Bigband, findet in seiner Arbeit für die "Stage@Seven"-Konzerte auch viel Spannendes: "Ich finde, das Ganze ist auch eine Chance. Normalerweise arbeiten wir immer mit dem ‚großen Besteck‘, also der ganzen Band, jetzt hatten und haben wir öfter kleine Formationen, die wir noch nie zuvor auf der Bühne hatten: neulich Saxofon und Tuba zum Beispiel. Das finde ich persönlich spannend, weil man sich total auf die beiden Instrumente konzentrieren kann." Für die Musiker*innen sei dies herausfordernd, befänden sie sich bei solch kleinen Formationen quasi in einer permanenten Solo-Situation.

Ungewöhnliches Setting der hr-Bigband

Da die hr-Bigband diese Woche erstmals in voller Besetzung spielt, haben sich Produktions- und Tonmeister*innen ein ganz besonderes Setting ausgedacht, das alle Abstands- und Sicherheitsregeln beachtet. "Herausgekommen ist eine Aufstellung der Bläsersätze, die sich um Schlagzeug, Klavier, Bass und Gitarre gruppieren", erklärt Axel Gutzler. Da sich bei der Bigband alle nach dem Schlagzeuger richten, war das die Position, in der ihn alle am besten hören. "Eine Herausforderung für die Aufnahme ist allerdings der leere Saal. Ohne Publikum klingt der Sendesaal natürlich viel halliger als gewohnt", so Gutzler.

Stage at Seven

Zum Ton, den die Orchestermitglieder hören, kommt natürlich auch noch der Ton, der bei den Zuhörer*innen ankommt. Für die soll es möglichst so klingen wie immer. "Obwohl man nun so viele auseinander sitzende Musiker und entsprechende Mikrofone im Raum hat, muss man es trotzdem so ausbalancieren, dass es nach 'miteinander' klingt", fasst es Udo Wüstendörfer zusammen.

Zum Team der Tonmeister*innen, Toningenieur*innen und Tontechniker*innen gehören:

  • Robin Bös
  • Arthur Büschel
  • Christoph Claßen
  • Stefan Emmrich
  • Axel Gutzler
  • Lisa Harnest
  • Francisco Hitzel
  • Lutz Keller
  • Philipp Knop
  • Alexander Kolb
  • Max Sauer
  • Christian Schrod
  • Frank Wagner
  • Udo Wüstendörfer
Weitere Informationen

"Stage@Seven"

Seit 1. April spielen hr-Bigband und hr-Sinfonieorchester jeden Werktag um 19 Uhr ein Konzert, das live auf den Websites bzw. Facebook gestreamt wird. hr2-kultur überträgt die Konzerte zusätzlich mittwochs, donnerstags und freitags live. Zuerst mit Solo- und Duoauftritten, nun auch in größeren Formationen. Die hr-Bigband spielte diese Woche sogar als erster ARD-Klangkörper überhaupt wieder in ihrer vollen Besetzung mit 17 Musikern. Alle Streams, die danach jeweils als Video-on-demand abrufbar sind, sind mittlerweile rund eine halbe Million Mal angeschaut worden. Verantwortlich für das Streaming ist das Content Team Musik, namentlich Matthias Hohn und Nikolas Pieper.

Ende der weiteren Informationen