Safeyya auf der Mauer (links) und  Carla Reitter (rechts) lachend vor einer Betonmauer.

Viele Menschen sehen sich in ihrem Leben Gewalt ausgesetzt. Wie man sich dagegen erfolgreich zur Wehr setzen kann, das vermittelt "Einfach Nein. Der Selbstverteidigungspodcast" von YOU FM. Die Trainerinnen Aylin Ҫaka und Alicia Lindhoff stellen in ihrem Audio-Kurs hilfreiche Strategien der Selbstverteidigung vor.

YOU FM-Redakteurin Carla Reitter hat den neuen Podcast mit den beiden Hosts an den Start gebracht. Warum dieses Thema so wichtig ist, wie es zur Idee des Selbstverteidigungskurses zum Hören gekommen ist und was sich in der Gesellschaft ändern muss, damit ein solches Training nicht mehr nötig ist, das hat sie im Interview mit hr.de erklärt.

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Hier geht’s zum Podcast in der ARD-Audiothek. Der Podcast ist bei Spotify, iTunes, Audio Now und Feyo zu hören und überall, wo es Podcasts gibt.

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Wie kam es dazu, einen Podcast zur Selbstverteidigung zu machen?

Bildmarke zu "Einfach Nein. Der Selbstverteidigungspodcast".

Carla Reitter: "Aylin, Alicia und ich kennen uns vom Kampfsportverein 'Frauen in Bewegung' in Frankfurt. Nachdem wegen der Corona-Beschränkungen immer mehr Anrufe bei Hilfetelefonen gegen häusliche Gewalt eingegangen sind, hatte unsere Vereins-Freundin Safeyya die Idee, einen Selbstverteidigungspodcast zu machen. Mit dem Podcast können wir trotz Corona unsere Mission weitergeben und nebenbei auch die Hemmschwelle für einen Selbstverteidigungskurs senken. Außerdem geben wir mehr Menschen einen Zugang zu diesem Thema. Der Verein bietet vor Ort ein Angebot für Frauen und Mädchen, der Podcast ist für alle offen, die sich gegen Gewalt wehren müssen. Viele Menschen haben Vorurteile, wenn sie an Selbstverteidigungskurse denken oder auch Angst. Beim Selbstverteidigungskurs zum Hören ist es viel einfacher, mal für sich alleine mitzumachen! Auch, wenn es in der Gruppe normalerweise viel mehr Spaß macht."

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Die Hosts

Aylin Ҫaka aus Frankfurt ist 22 Jahre alt und studiert Wirtschaftspsychologie. Wenn sie in ihrer Freizeit nicht verreist oder mit Freund*innen essen geht, gibt sie ehrenamtlich Selbstverteidigungskurse. Besonders schön ist für sie zu sehen, wie Mädchen nach ihren Kursen mit neuer Stärke nach Hause gehen.
Alicia Lindhoff aus Frankfurt ist 30 Jahre alt und arbeitet als Journalistin bei einer Tageszeitung. Mit sieben Jahren hat sie selbst zum ersten Mal einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Die Arbeit als Trainerin gibt ihr selbst mindestens genauso viel Kraft wie den Teilnehmerinnen ihrer Kurse.

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Was hast du aus dem Podcast gelernt? Gab es auch für dich (noch) Aha-Momente?

Alicia Lindhoff (links) beim Abwehren eines Schlags im Training.

"Ehrlich gesagt, gab es erschreckend viele Aha-Momente. Ich habe bei der Produktion ja sozusagen einen privaten Selbstverteidigungskurs von Aylin und Alicia bekommen und das hat mein Denken echt verändert. Ich halte mich für eine emanzipierte Frau und gehe selbstbewusst durchs Leben – bei der Produktion des Selbstverteidigungspodcasts sind mir aber trotzdem sehr viele Situationen eingefallen, bei denen ich kleinere Übergriffe zugelassen habe, vor allem, weil ich kein 'Theater' machen wollte. Das ist echt bitter und das will ich ändern. Genauso bitter und wichtig ist es, festzustellen, dass ich auch selbst manchmal ungewollt Grenzen überschritten habe – zum Beispiel indem ich ein 'Nein' nicht gleich akzeptiert habe, als ich einer Person mit Behinderung helfen wollte. Es ist echt schwer, sowas öffentlich zu sagen, aber auch diese Erkenntnis hat mich stärker gemacht und ich hoffe, dass es ganz vielen Zuhörer*innen so geht."

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Carla Reitter wurde 1991 in Heidelberg geboren. Nach dem Geschichtsstudium und wissenschaftlicher Tätigkeit in Frankfurt und Paris hat sie das journalistische Volontariat beim Hessischen Rundfunk absolviert. Sie arbeitet dort für die Kulturredaktion und die Doku-Reihe "7 Tage".

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Leider ist das Thema weiter hochaktuell. Was muss sich ändern?  

"Ich habe die Hoffnung, dass sich durch die aktuellen Diskussionen um Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und andere Diskriminierungen echt etwas ändert, aber der Weg ist noch weit. Wir alle müssen uns hinterfragen, wann und wie wir diese Machtverhältnisse direkt oder indirekt unterstützen. Und dazu braucht es vor allem Wissen, das zum Beispiel bei 'Einfach Nein' vermittelt wird. Wenn wir dann noch unsere Kinder mit diesem Wissen erziehen, kommen wir der gleichberechtigten Gesellschaft ein Stück näher."

Pressemitteilung "Einfach Nein. Der Selbstverteidigungspodcast"