Preisverleihung Karlsruhe 2019 Cordula Huth, Gudrun Hartmann, Stefanie Hatz

Am 9. November wurden im Rahmen der ARD-Hörspieltage in Karlsruhe herausragende Hörspiele gewürdigt. Drei der sechs begehrten Preise gingen an hr-Produktionen. Den Preis für die beste schauspielerische Leistung gewann Nicole Heesters für ihre Rolle in "Die Jahre". Die zuständige Redakteurin ist hier Cordula Huth. Gudrun Hartmann und Stefanie Hatz von der hr2-Lauschinsel gewannen beide Preise, die für Kinderhörspiele vergeben wurden. Hier gewähren sie einen Blick hinter die Kulissen ihrer Hörspielproduktionen.

Für uns ist wichtig, dass wir mit unseren Hörspielen Kinder unterhalten, ihnen schöne Stunden schenken, sie fürs Hören begeistern, sie mit Tönen in fremde Länder locken, an Orte, die sie noch nicht kennen, ihnen manchmal Personen vorstellen, die sie womöglich sonst nie kennenlernen würden, sie zum Lachen oder auch mal zum Nachdenken bringen und ihnen Geschichten anzubieten, die mehr sind als die Summe der Wörter, die darin gesprochen werden.

Umso mehr freut es uns, dass wir auch in diesem Jahr wieder beide Jurys mit unseren Kinderhörspielen überzeugen konnten. Zum einen die Erwachsenen, die den Dt. Kinderhörspielpreis vergeben, aber auch die Kinder, die – ohne Einmischung und Urteil der "Großen" – ihr Lieblingsstück auswählen. Bei den ARD-Hörspieltagen in Karlsruhe am Wochenende hat diese Jury den Titel "härteste Jury der Welt" erhalten.

Deutscher Kinderhörspielpreis: Eineinhalb Wunder und ein Spatz

Als wir das Exposé auf den Tisch bekamen, wussten wir sofort: Das wollen wir machen! Zum einen enthält die Geschichte sehr viele Aspekte, die das Leben von Kindern betrifft, zum anderen geht sie an einer entscheidenden Stelle aber auch darüber hinaus. Erzählt werden das erste zaghafte verknallt sein, das schikaniert werden von Größeren, das Kennenlernen eines Freundes, mit dem man Neues erlebt sowie die Auseinandersetzungen mit Eltern, die mit Vorurteilen auf das Fremde reagieren und die Nöte ihres Kindes nicht verstehen.

Das Besondere an diesem Kinderhörspiel ist jedoch die Freundschaft der beiden Jungen Hayat und Dani, die plötzlich endet, weil Hayats Herkunftsland überraschend zu einem sicheren erklärt und er mit seiner gesamten Familie abgeschoben wird. Dies ist eine spezielle Erfahrung, die sicherlich für viele Kinder außerhalb ihres eigenen Erlebens liegt, doch Trennung von Freunden, die weg ziehen, egal ob es 50 km weit oder über eine Landesgrenze hinweg ist, ist für Kinder immer schmerzlich. In der Jurybegründung heißt es: "Das Hörspiel greift aktuelle Migrationsfragen ebenso nachvollziehbar auf Alltagsebene auf, wie die Herausforderungen des Erwachsenwerdens, und das mit einer Geschichte, deren stille Dramatik subtil den Nerv des Publikums trifft, das sich im selben Alter wie Dani befindet und mit denselben Fragen beschäftigt sein dürfte. (…) Ein Hörspiel mit klarer Haltung zum Wert der Freundschaft und zum Mut, dem eigenen Verstand zu folgen."

Wie spannt man einen erzählerischen Bogen für Kinder?

Zunächst war das Hörspiel mit einem offenen Ende angelegt. Das ist aber für die Zielgruppe  nicht befriedigend. Wie aber kann man solch eine Geschichte zu Ende erzählen? Bei einem persönlichen Treffen mit der Autorin in Hamburg haben wir dann das jetzige Ende entwickelt, das einerseits die Geschichte nicht geschlossen erzählt, andererseits aber sehr hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt.

Diskussionsstoff gab es auch um die Frage: Wie besetzt man "Hayat", das Flüchtlingskind. Soll es einen leichten, einen starken oder gar keinen Akzent haben? Soll es grammatikalische Eigenheiten haben? Erfahrungsgemäß lernen unter zehnjährige Kinder, die, egal wo sie herkommen, sehr schnell und akzentfrei Deutsch. Deshalb spricht auch Hayat in diesem Kinderhörspiel ohne sprachliche Eigen- oder Besonderheiten.

Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe: Kicheritis. Anstecken erlaubt.

Sofort waren wir von dieser Geschichte infiziert. Bei diesem sehr schrägen Stück, das die Kinderfiguren wie bei einer Achterbahnfahrt wild durcheinander wirbelt, geht es um den Pirus, ein Virus, das sich rasch verbreitet und nicht nur die an Keimphobie leidenden Eltern von Alice, sondern auch den Superminister für Sauberkeit und Ordnung in Angst und Schrecken versetzt. Alice, die alle Anzeichen einer Ansteckung in sich trägt, soll umgehend verhaftet werden, gerade noch rechtzeitig gelingt dem Mädchen die Flucht. Damit fängt für Alice eine abenteuerliche Reise an, auf der sie viele mutige Weggefährten findet – und am Ende selbst die härtesten Pirus-Gegner zum Kichern bringt.

Starke Kinder, starke Geschichten

Dieses Geheimrezept, das spätestens seit Astrid Lindgren Kinder auf der ganzen Welt für Geschichten begeistert, gilt auch hier: Lebensmut contra Angst, Unerschrockenheit gegenüber der Allmacht der Erwachsenen, Einfallsreichtum und viel Action sind die Zutaten dieser überaus rasanten Geschichte, die nebenbei aber auch tiefgreifende philosophische Fragen rund um die Themen Glück und Solidarität beinhaltet.

Beste schauspielerische Leistung in einem Hörspiel: Die Jahre

Nicole Heesters hat den deutschen Hörspielpreis für die beste schauspielerische Leistung im Hörspiel bekommen. Die Schauspielerin wurde für ihre Rolle in der Hörspieladaption von Annie Ernaux "Die Jahre" ausgezeichnet, bei dessen Produktion auch Cordula Huth als Redakteurin und Dramaturgin mitgewirkt hat. In einem Videostatement erzählt Nicole Heesters von der Entstehungsgeschichte des Hörspiels "Die Jahre" und über die Arbeit mit Regisseurin Luise Voigt.

Videobeitrag

Video

zum Video Nicole Heesters über die Entstehung des Hörspiels "Die Jahre".

Nicole Heesters
Ende des Videobeitrags