Natalia Bachmayer
Natalia Bachmayer, TV-Korrespondentin und Leiterin des ARD-Fernsehstudios Madrid Bild © hr/Ben Knabe

Terroranschlag in Barcelona, der Konflikt um Katalonien, die Auflösung der ETA: Natalia Bachmayers erstes Jahr im Studio Madrid war "der helle Wahnsinn". Sie und ihr Team berichten für die gesamte ARD über die iberische Halbinsel und Portugal, aus Algerien, Marokko und Tunesien.

Ein Jahr im Studio Madrid: Wie lautet Ihre Bilanz?

Es war der helle Wahnsinn. Die ersten 100 Tage habe ich praktisch durchgearbeitet – da lernt man seine Grenzen kennen. Aus journalistischer Sicht war es außergewöhnlich. Der Terroranschlag in Barcelona zwei Wochen nach meinem Start im Studio, der Konflikt um die Unabhängigkeit Kataloniens, die Selbstauflösung der ETA nach Jahrzehnten des Terrors, der Polit-Krimi in Madrid inklusive Misstrauensvotum und Regierungswechsel – spannend war es allemal.

Gab es auch Frustmomente?

Ja, ganz klar in Katalonien. Irgendwann haben wir gemerkt: Da wird es keine Lösung geben, die wollen gar nicht wirklich miteinander reden. Ab da war es einfach nur noch ermüdend. Es gibt Katastrophen, die ereignen sich nicht mit einem großen Knall, die kommen schleichend. Die Situation in Katalonien ist für mich so eine: Der Bürgerkrieg ist ausgeblieben, aber die Stimmung ist nachhaltig vergiftet. Und mir fehlt die Phantasie, wie sich das in absehbarer Zeit ändern soll.

Und wenn Sie sich für Ihr nächstes Arbeitsjahr etwas wünschen dürften, was wäre das?

Team ARD-Studio Madrid
Natalia Bachmeyer (Mitte) und ihr Team (v.li.): Victor Buttari, José Manuel Chillarón, Barbara Platsch, Alexander Stein, Javier Rodríguez-Alarcón und Daniel Cascajares Bild © hr

Ein bisschen weniger Pflichtprogramm, ein bisschen mehr "Abseitiges". Und endlich mal im Maghreb drehen – vor ein paar Wochen war ich in Marokko und kam mit gefühlt 180 Themenideen wieder. Jetzt hätte ich gern mal die Zeit, wenigstens einen Teil davon umzusetzen. Diese Region hat es verdient, dass wir ganz genau hinschauen.

Was steht denn in nächster Zeit an?

Aus journalistischer Sicht werden wir sicher das Thema Flüchtlinge ganz genau beobachten müssen – wir sitzen ja an der Schnittstelle zwischen dem Maghreb und Europa und damit an einem Hotspot.

Wie würden Sie nach diesem ersten Jahr Ihre neue Heimat beschreiben?

Ein Taxifahrer in Lissabon hat mal zu mir gesagt: "Wir sind hier am A… Europas." Ich glaube, so ein bisschen bestimmt das das Lebensgefühl auf der iberischen Halbinsel. Die Leute neigen nicht zu Aufgeregtheiten, halten sich nicht für den Nabel der Welt, haben aber gleichzeitig unglaublich viel Lebensart. Das gefällt mir. Und was mir noch gefällt: der Zusammenhalt in den Familien. Sechszehnjährige, die am Wochenende mit der Oma am Arm in den Park gehen. Vier Generationen, die über Stunden gemeinsam im Lokal Krabben pulen und über Gott und die Welt schwatzen – so was sieht man in Deutschland eher selten.

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