Tim Brockmeiers WM-Notizen: Finale
Finale: Tim Brockmeier verabschiedet sich aus Russland. Bild © hr/Tim Brockmeier

Sechs Mal blickte hr-Sportreporter Tim Brockmeier hinter die Kulissen der Fussball-WM in Russland und berichtete, was er abseits des Rasens erlebt hat. Nach dem Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien heißt es nun auch für sein WM-Tagebuch: Finale!

Das war’s. Sechs Wochen Russland, vier Wochen WM. Vorbei. Ab nach Hause, nach einer langen spannenden Zeit. Ich habe eine Menge Menschen getroffen und kennengelernt. Die meisten von ihnen freundlich, offen, hilfsbereit. Russland gab sich als weltoffener Gastgeber und hat eine perfekte WM organisiert. Stadien, Hotels (Ausnahme: Saransk!!!), Infrastruktur, Sicherheit. Alles top.

Machthaber Putin hat exakt das hinbekommen, was ihm seit 2010 vorschwebte - seit jener von Skandalen und Korruptionsvorwürfen begleiteten WM-Vergabe an Russland (und Katar 2022). Er hat für die Weltöffentlichkeit eine Ausnahme-WM inszeniert und Russland eine WM-Party verordnet. Nichts anderes als blütenweiße Propaganda für den umstrittenen Machthaber.

Hinter den bunten, fröhlichen, emotionalen WM-Bildern ließen sich alle kritischen Themen wunderbar verstecken. Themen wie Syrien, die Krim, politische Verfolgung, Homophobie, fehlende Pressefreiheit, behördliche Willkür. Es gibt diese Themen aber weiterhin in Russland, vor allem nach dieser großen Inszenierung. Das sollten wir bei aller Freude über diese WM nicht vergessen!

Und wir sollten ein bisschen hoffen, dass diese WM vielleicht auch etwas verändert hat. Den Russen ein neues Gefühl vermittelt hat, von Freiheit und Weltoffenheit und Unbeschwertheit. Und dass es sich lohnt, für dieses Gefühl, auch nach der WM, einzustehen und aufzustehen, vielleicht sogar zu kämpfen. Dann hätte diese WM etwas wirklich Nachhaltiges gebracht. Wäre toll!