Mann hält Bleistiftzeichnung - Porträt - in der Hand
Die Bleistiftzeichnung von August Hoffmann (1833) zeigt höchstwahrscheinlich den hessischen Schriftsteller Georg Büchner. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

"Wissen und mehr" stellt in dieser Ausgabe Porträts deutscher Dichter und Autoren vor - von Lessing bis Böll, von Büchner bis Hesse. Auch John Steinbeck ist eine Sendung gewidmet.

Montag, 28.10.2019, 07:15 Uhr

Dichter dran!

Gotthold Ephraim Lessing
SWR 09'59''  

Lessing ist der bedeutendste Autor der deutschen Aufklärung. Nachdem er erst Theologie, Medizin und später Philosophie studiert hat, widmet er sich mit Erfolg dem Theater: Auf den Bühnen Europas jubelt man ihm zu. Ein großes Thema für ihn ist die menschliche Neigung, Andersartige und Fremde auszugrenzen. Lessing schreibt in der Hoffnung, dass der Mensch einen Ausweg aus der Sackgasse finden wird, in die er sich dabei verrannt hat.

E.T.A. Hoffmann
SWR 09'56''  

Eigentlich wollte er Musiker werden. Doch zunächst wird der vielbegabte Hoffmann Jurist, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Nebenbei komponiert, schreibt und zeichnet er. Als seine Karikaturen einen Skandal verursachen, wird er strafversetzt. Dann tragen auch die napoleonischen Kriege dazu bei, dass er sich an immer neuen Orten eine neue Existenz aufbaut, bis er schließlich in Berlin zu einem berühmten Schriftsteller und einer schillernden Persönlichkeit wird.

Heinrich von Kleist
SWR 10'00''

Dienstag, 29.10.2019, 07:20 Uhr

Dichter dran!

Georg Büchner
SWR 09'59''

Georg Büchner wurde nur 23 Jahre alt und ging doch als berühmter Dramatiker in die Literaturgeschichte ein. Mehr als für sein Medizinstudium interessiert sich der junge Mann für die zurückliegende französische Revolution. Und er ist entsetzt über die Benachteiligung großer Teile der Gesellschaft. Als er in einem Flugblatt "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" fordert, wird er steckbrieflich gesucht. In seinem Werk spielen Ungerechtigkeit und Revolution eine große Rolle.  

Theodor Fontane
SWR 09'59''

Von Anfang an will er Dichter werden. Trotzdem wird der junge Fontane zunächst Apotheker und schreibt nebenbei. Als er mit 30 beschließt, nur noch vom Schreiben zu leben, verdient er seinen Lebensunterhalt als Presseattaché der preußischen Regierung, Theaterkritiker und Kriegsberichterstatter. Der große literarische Erfolg stellt sich erst ein, als Fontane beginnt, Romane zu schreiben, die in der großbürgerlichen Gesellschaft spielen. Heute gilt er als der bedeutendste realistische Erzähler des 19. Jahrhunderts.  

Hermann Hesse
SWR 09'56''

Schon früh weiß Hesse, dass er Dichter werden will. Während der Zeit im Klosterinternat findet er nur Trost in der Natur. Mit 16 bricht er die Schule ab und wird Buchhändler. Von seinem ersten Gehalt veröffentlicht er Gedichte und hat Erfolg mit dem Schreiben. Er gründet eine Familie, bricht aber immer wieder aus und unternimmt weite Reisen. Auch machen ihm wiederholt seelische Krisen zu schaffen, die er später in seinen Erzählungen bearbeitet. In seinen Werken spiegelt sich dabei der Zeitgeist.

Mittwoch, 30.10.2019, 07:20 Uhr

Erich Kästner: Das andere Ich    
WDR 29'29''

Das Dokudrama von Annette Baumeister wirft einen neuen Blick auf das Bild von Erich Kästner – einem der bekanntesten deutschen Autoren der unmittelbaren Vergangenheit. Neben den Literaturwissenschaftlern Sven Hanuschek und Laura Mokrohs kommen auch die Kinderbuchautorin Cornelia Funke, die Regisseurin Caroline Link und Campino von den Toten Hosen zu Wort.
Erich Kästner (im Film gespielt von Matthias Bundschuh) verkörpert wie kaum ein anderer deutscher Autor den Typus des unantastbaren Schriftstellers. Generationen von Lesern sind mit ihm aufgewachsen. Mit Emil und die Detektive revolutioniert er 1931 die Kinderbuchliteratur. 1899 kommt Erich Kästner in Dresden zur Welt. Seine Mutter Ida (gespielt von Henriette Schmidt) ist schwermütig, immer wieder muss sie der Junge davon abhalten, in die Elbe zu springen. Daraus erwächst ein ungewöhnlich enges Verhältnis. In der Weimarer Republik steigt Erich Kästner rasch als Redakteur, Schriftsteller und Drehbuchautor auf.
Mit seiner klaren Sprache prägt er die "Neue Sachlichkeit". Auch seine kriegskritische Lyrik ruft ein weltweites Echo hervor. 1933 sieht Kästner in Berlin zu, wie seine Bücher verbrannt werden. Dennoch wandert er nicht aus, veröffentlicht in Deutschland nur noch unter Pseudonym. 1941 schreibt er das Drehbuch für Münchhausen. Die Gestapo verhaftet ihn, lässt ihn aber wieder frei. In der Nachkriegszeit ist Kästner eine moralische Instanz. Doch er kann an seinen früheren Erfolg nicht mehr anschließen, verstrickt sich in Liebesaffären und löscht seinen Frust mit Alkohol. Bis zu seinem Tod 1974 hadert er mit dem Entschluss, nicht ins Exil gegangen zu sein.

Donnerstag, 31.10.2019, 07:20 Uhr

Die große Literatour

John Steinbecks USA
 
WDR 14'59''

1960 macht sich der spätere Literaturnobelpreisträger John Steinbeck gemeinsam mit seinem Hund Charley im eigenen Wohnmobil auf die Reise durch die USA: von den großen Seen bis zu den Rocky Mountains, von den Metropolen der Ostküste bis zu den Wüsten Nevadas und stößt kulturell wie landschaftlich auf eine ungeahnte Vielfalt. Steinbeck hat sich mit seinen Werken "Früchte des Zorns" und "Von Mäusen und Menschen" als Chronist der amerikanischen Wirtschaftskrise der 1930er und als Fürsprecher der ausgebeuteten Farmer und Wanderarbeiter einen Namen gemacht. Nun, im Jahr 1960, erlebt er ein anderes Amerika: Ein Land in nie dagewesenem Wohlstand – doch unter der quietschbunten Oberfläche gibt es tiefe Risse: Umweltverschmutzung, sinnlose Verschwendung und Rassenunruhen. Phänomene, die Steinbeck hautnah erlebt und in aller Schärfe kritisiert. Am Ende ist klar: Sein Land ist ihm fremd geworden. Der Film visualisiert Steinbecks ironische Beobachtungen und skurrile Begegnungen seines einzigartigen Reisebuchs, immer auch mit dem Blicke auf die USA heute.  

Heinrich Bölls Irland  
WDR 14'52''

Im Jahr 1954 reist Heinrich Böll für einige Monate nach Irland und verfasst dort Reiseberichte, die zuerst in Zeitungen erscheinen. Einige dieser Berichte komponiert der spätere Literaturnobelpreisträger zu einem Buch, das 1957 auf den Markt kommt: Es trägt den Titel "Irisches Tagebuch". Insbesondere Achill Island – die größte Insel Irlands im äußersten Westen – hat es ihm angetan. Als aufstrebender Schriftsteller kann er es sich leisten, mit seiner Familie zum Urlaubmachen zurückzukommen und sich dort später ein Cottage zu kaufen. Achill Island ist in Deutschland so gut wie unbekannt. Böll sichert der Insel einen Platz in der Weltliteratur und macht sie und Irland zu einem Sehnsuchtsort der Deutschen. „Es gibt dieses Irland: wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor“, schreibt Böll noch vor der Widmung in seinem Buch. Wir nehmen den Autor beim Wort und fahren hin, mit dem Irischen Tagebuch im Gepäck, suchen Bölls Irland und finden auch das Irland von heute – dort wo sich Vergangenheit und Gegenwart überschneiden: Das kehlige Keltisch, der goldene Tee, die katholischen Priester, die Pubs, die Schafe, die rauen Klippen und das Meer.

Freitag, 01.11.2019, 07:20 Uhr

China 6/8: Literatur und Film
SWR 28'22''

"Das China von heute ist für einen Schriftsteller vielleicht einer der besten Orte der Welt. Die Wirklichkeit ist hier absurder und komplexer als jede Fiktion", sagt der Schriftsteller Yan Lianke. Chinas Literatur hat eine dreitausendjährige Tradition. Aber auch in der Heimat der kultivierten Poesie, der Essays und der Romane übernehmen die Bilder die Macht: im Fernsehen, im Internet und im Kino. Nach Jahrzehnten der Stagnation boomt die chinesische Filmindustrie.