Gedenkstätte Hadamar
Beschriftete Steine erinnern auf dem Friedhof der Gedenkstätte Hadamar (Limburg-Weilburg) an die hier bestatteten Opfer der NS-Euthanasie-Morde. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Seit den 1980er Jahren hat die Erforschung der Geschichte des Nationalsozialismus in Hessen erhebliche Fortschritte gemacht. Seither sind zahlreiche Gedenkstätten in Hessen entstanden, u.a. in Osthofen, Hadamar und der Frankfurter Kull.

Vor 80 Jahren: Osthofen – das erste KZ im "Volksstaat" Hessen

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Buchtipp

Anna Seghers hat dem KZ Osthofen in ihrem Roman "Das siebte Kreuz" ein Denkmal gesetzt.

Anna Seghers
"Das siebte Kreuz"
Aufbau-Verlag, 36. Auflage 1993
416 Seiten, 8,50 Euro  

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Das NS-Dokumentationszentrum in Osthofen bei Worms

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Anfang März 1933, nur einen Monat nachdem Hitler Kanzler wurde und einen Tag nach den Wahlen zum Reichstag, eröffnete im damaligen Volksstaat Hessen das erste Konzentrationslager– das KZ Osthofen. Erste Häftlinge aus verschiedenen Teilen Hessens trafen hier bereits am 6. März ein. Sie waren Gegner des NS-Regimes, allen voran Mitglieder der KPD, der SPD und Gewerkschafter, aber auch Angehörige des Zentrums, Juden, Zeugen Jehovas, Sinti und andere. Und ihre Verhaftungen wurden der Öffentlichkeit pressewirksam mitgeteilt. Das zeigt, welches Ziel die Nationalsozialisten von Anbeginn ihrer Herrschaft anstrebten: die Ausschaltung jeglicher Opposition und die Einschüchterung der Bevölkerung.

Zwar wurde im KZ Osthofen niemand ermordet, aber die Häftlinge wurden auf menschenunwürdige Weise behandelt und teilweise systematisch gefoltert. 14 Monate existierte das Lager in der Nähe von Worms im heutigen Rheinland-Pfalz, bevor es im Sommer 1934 aufgelöst und die Häftlinge in andere Haftstätten und Lager verschleppt und viele später getötet wurden.

In Osthofen ist heute eine Gedenkstätte eingerichtet.

Sendung: hr-iNFO, 1.03.2014, 20:15 Uhr

Folter in der "Kull": Das Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim

Nur der so genannte Bunker blieb vom Arbeitserziehungslager "Kull" erhalten. Unweit der Heddernheimer Kupferwerke wurde im April 1942 das einzige Arbeitserziehungslager in Frankfurt am Main eingerichtet: in einer tiefen Lehmgrube, genannt "die Kull".  Drei langgestreckte Baracken, dazu mehrere Schuppen und ein Wachhäuschen wurden bis März 1945 zur Durchgangsstation für rund zehntausend Häftlinge. Viele von ihnen hatte man zuvor aus den von deutschen Truppen besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit ins Rhein-Main-Gebiet verschleppt.

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zum Download Manuskript: Das Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim

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Wegen geringfügiger Vergehen wurden sie danach aus einem Arbeitslager ins Arbeitserziehungslager verlegt, das Teil des nationalsozialistischen Strafvollzugs war. Auch hier ging die Zwangsarbeit weiter, einige Häftlinge wurden im Lager erschossen. Aus dem Bericht eines überlebenden Häftlings geht hervor, dass man ihn in Heddernheim schlechter behandelte als im Konzentrationslager Dachau.

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heddernheim.de - Das ehemalige Arbeitserziehungslager

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Erst 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Geschichte des Lagers gründlich erforscht.

Sendung: hr-iNFO, 2.03.2014, 20:15 Uhr

Hadamar – NS-Tötungsanstalt

Gedenkstelle Hadamar Keller
Der Keller der Tötungsanstalt heute: Gaskammer, Sektionsraum und der Platz, an dem das Krematorium (v.l.) stand. Bild © Gedenkstätte Hadamar (2), picture-alliance/dpa

In grauen Bussen wurden sie abgeholt. Wer aus sogenannten "Zwischenanstalten" als Patient oder Patientin nach Hadamar gebracht wurde, starb oft noch am gleichen Tag in der Gaskammer.  

Von Januar bis August 1941 wurden in Hadamar mehr als 10.000 Menschen ermordet. In einer zweiten Mordphase ab August 1942 waren es dann noch einmal 4.500 Menschen, die durch Medikamente und gezielte Mangelernährung getötet wurden, darunter auch sogenannte "jüdische Mischlingskinder" aus Erziehungsheimen, Zwangsarbeiter und Kriegsversehrte. "Euthanasie" - auch dahinter steckt die grausame Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten.

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"Euthanasie"-Morde in Hadamar Wahrheit nach 75 Jahren

hr-iNFO: Interview mit Jan Erik Schulte, Leiter der Gedenkstätte Hadamar "Hier wurden Menschen ermordet"

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Geistig behinderte und psychisch kranke Menschen fielen systematischen Mordaktionen, als "Gnadentod" getarnt, zum Opfer - wie der "T4-Aktion", so benannt nach der Berliner Adresse Tiergarten 4, eine eigens aufgebaute Verwaltungszentrale. Ihr unterstanden sechs Tötungsanstalten. Die letzte wurde im hessischen Hadamar eingerichtet, in der vormaligen Landesheilanstalt.

Seit 2006 hat Gedenkstätte in der ehemaligen NS-Tötungsanstalt Hadamar eine Opferdatenbank.

Sendung: hr-iNFO, 26.04.2014, 20:15 Uhr

Das Wollheim-Memorial

Handwerker stellen am Donnerstag (30.10.2008) an der Universität in Frankfurt am Main eine Fotostele mit einem Motiv von Norbert Wollheim auf.
Handwerker stellen am Donnerstag (30.10.2008) an der Universität in Frankfurt am Main eine Fotostele mit einem Motiv von Norbert Wollheim auf. Bild © picture-alliance/dpa

Es ist ein kleiner Pavillon auf dem ehemaligen Gelände der I.G.Farben, dem heutigen Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität. Das Wollheim-Memorial gedenkt einem mutigen Vorkämpfer für Entschädigungszahlungen. Der Pavillon trägt über dem Eingang eine Nummer: 107984. Es ist die Häftlingsnummer Norbert Wollheims, Überlebender des Konzentrationslagers Buna/Monowitz. Er war Zwangsarbeiter der I.G. Farben und verklagte den Chemie-Konzern 1951 auf Schmerzensgeld und Entschädigung für entgangenen Arbeitslohn. Und bekam in dem Musterprozess in Frankfurt Recht.

Daran erinnert der Offenbacher Künstler Heiner Blum, Professor an der Hochschule für Gestaltung, mit seinem Pavillon, den er als Holocaust-Gedenkstelle entworfen hat. Im Inneren zwei Bildschirme: In 24 Video-Interviews berichten Überlebende des KZ Buna/Monowitz von ihrer Kindheit, der Deportation, Lagerhaft und Ausbeutung. Eine Inschrift zitiert Norbert Wollheim "Wir sind gerettet, aber wir sind nicht befreit." Eine Gedenkstätte, die ein Beispiel geben soll, wie Erinnerung nicht nur gewahrt, sondern auch lebendig gehalten wird.

Sendung: hr-iNFO, 7.06.2014, 20:15 Uhr

Hessische Landeszentraile für politische Bildung: weitere Gedenkstätten