Laura M. Schwengber​, Justus von der Handt, Klaudija Schnödewind​ und Kerstin Henninger (v.l.) von "Die mit den Händen tanzt" von hr2-kultur​, ausgezeichnet in der Kategorie Wissen und Bildung.
Das Gewinner-Team: Laura M. Schwengber​, Justus von der Handt, Klaudija Schnödewind​ und Kerstin Henninger (von links) Bild © Foto: Grimme-Institut/Arkadiusz Goniwiecha

"Die mit den Händen tanzt" zeigt, wie Musik für Gehörlose erfahrbar wird: Das Webspecial über die Musik-Dolmetscherin Laura M. Schwengber hat den Grimme Online Award in der Kategorie "Wissen und Bildung" gewonnen. "Seitdem sind die Klickzahlen in die Höhe gegangen", freut sich Autorin Klaudija Schnödewind.

Der undotierte Grimme Online Award gilt als wichtigster deutscher Preis für hochwertige Online-Angebote. Nominiert waren in diesem Jahr 29 Projekte. Daniela Sommer hat mit Autorin Klaudija Schnödewind über das erfolgreiche Projekt gesprochen.


Gleichermaßen eindrucksvoll und sympathisch dolmetscht die Protagonistin Bandnamen wie "U-Bahn-Kontrolleure in tiefgefrorenen Frauenkleidern", Hip-Hop von Peter Fox oder ein klassisches Stück der Münchner Symphoniker – war eine so charismatische Person wie sie ein Glücksfall für das Special?

Klaudija Schnödewind: Ja, das war sie. Ich habe im Programm des Hörfestes von Laura erfahren und sie vor den Dreharbeiten nicht kennengelernt! Als ich von ihrer Leidenschaft – dem Konzert-Dolmetschen – gelesen habe, dachte ich sofort: Das ist etwas ganz Besonderes, darüber würde ich gerne ein Webspecial machen. Die Wahnsinns-Ausstrahlung und ihre Leidenschaft für Musik konnte ich dann live bei unseren Dreharbeiten erleben. Und als ich ihr von meinen Plänen für das Special erzählt habe, war sie gleich Feuer und Flamme.

Wie ging es dann weiter?

Klaudija Schnödewind: Sie kam in den hr und wir hatten drei Stunden Zeit, um die Inhalte zu drehen. Also haben wir uns im Medienraum eingeschlossen und gleich losgelegt. Von Anfang an herrschte großes Vertrauen, schließlich ist das Dolmetschen von Musik eine hochemotionale, fast intime Angelegenheit. Wir haben die Musik richtig laut gemacht und wollten eigentlich nur Ausschnitte der Songs drehen - doch wir waren so begeistert von ihr, dass wir ganz vergessen haben, "Stopp" zu sagen.

Klaudija Schnödewind und Laura M. Schwengber
Autorin und Protagonistin: Klaudija Schnödewind (links) und Laura M. Schwengber​ Bild © Grimme-Institut/Arkadiusz

Gebärdensprache, Ton und Untertitelung machen das Special für alle zugänglich – war das von Anfang an geplant?

Klaudija Schnödewind: Ganz klar, ein Special zu diesem Thema muss barrierefrei sein. Wir haben einen Durchlauf gemacht, in dem Laura mit Worten auf unsere Fragen antwortet, in einem zweiten Durchlauf gebärdet sie die Antworten. Wir bieten beides parallel an.

Die Gestaltung ist sehr reduziert – auch das ganz bewusst?

Klaudija Schnödewind: Wir wollten uns aufs Wesentliche konzentrieren und haben uns deshalb für eine grafische Aufmachung entschieden, die jung und leicht wirkt. Der Fokus liegt klar auf unserer Protagonistin, die diese Bühne dank ihrer starken Präsenz auch locker bespielt. Den Fokus ganz auf die Protagonistin zu setzen war ein Wagnis. Doch genau diese Konzentration auf Laura hat für die Jury den Ausschlag gegeben, ebenso wie die Tatsache, dass wir dem ganzen Thema, das oft mit Betroffenheit einher geht, ganz spielerisch die Schwere nehmen.

War das Thema auch für Sie neu?

Klaudija Schnödewind: Absolut neu. Wann sieht man schon mal im Fernsehen einen Gebärdensprachdolmetscher? Laura hat alle Songs des "Eurovision Song Contest" gebärdet, jedoch nur im Internet. Die Moderationen haben andere Gebärdensprachdolmetscher übersetzt. Unser Special zeigt, wie wichtig es ist, dass auch Musik barrierefrei für alle zugänglich ist. Ein Quadratmeter, den ein Dolmetscher für Gebärdensprache für seine Arbeit benötigt, müsste sich eigentlich auf jeder Konzertbühne finden lassen – das bereichert alle.

Preisverleihung Grimme Online Award
Preisverleihung in Köln Bild © Grimme-Institut/Arkadiusz Goniwiecha

Es ist der erste Web-Preis dieser Größenordnung für den hr.

Klaudija Schnödewind: Schon die Nominierung war eine große Ehre, und als wir den Preis dann wirklich bekommen hatten, konnten wir es kaum glauben. Das hr-Programm hat so viele wunderbare "Perlen" zu bieten, die man entdecken muss, um sie in einem Projekt wie diesem weiterleben zu lassen.

Weitere Informationen

Alle Beteiligten

  • Autorin: Klaudija Schnödewind (Multimedia)
  • Kamera: Miriam Dünschede, Salvatore Detzel (beide FS Aufnahme)
  • Ton: Christian Cyfus (FS Aufnahme)
  • Schnitt: Justus von der Handt (Multimedia)
  • Grafik: Kerstin Henninger (Grafik und Design)
  • Recherche: Oliver Körting (Multimedia)
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