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Witzenhausen und sein koloniales Erbe

Witzenhausen und sein koloniales Erbe

1898 wurde im nordhessischen Witzenhausen die erste "Deutsche Kolonialschule für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe GmbH" (DKS) gegründet. Ihr Ziel: junge Männer als Experten für die Landwirtschaft in den deutschen Kolonien auszubilden.

Witzenhausen und sein koloniales Erbe

Heute studieren hier junge Leute aus aller Welt am Fachbereich 11 der Uni Kassel Ökologische Agrarwissenschaften.

Einige von ihnen haben sich mit der Vergangenheit ihrer Schule beschäftigt - und wollen darüber ins Gespräch kommen

"Hurra, die Kolonialschule ist da!" – Gründung 1898

Witzenhausen und sein koloniales Erbe

Die Witzenhäuser versprachen sich von der Ansiedlung der "Deutschen Kolonialschule DKS" einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Der evangelische Pfarrer und Schuldirektor Ernst Albert Fabarius wollte „Kulturpioniere“ ausbilden - mit militärischer Disziplin und einem strengen Stundenplan.

Er umfasste:
Stalldienst, Gartenbau, Viehzucht, Geländevermessung, Handwerk, Reiten, Chemie, Volkswirtschaft, Kulturwissenschaften, Völker- und Rassekunde, Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Portugiesisch, Kisuaheli, Hausa und Malayisch

Von Witzenhausen in die Welt

Witzenhausen und sein koloniales Erbe

Ab 1900 brachen die ersten Absolventen in die damaligen deutschen Kolonien auf.

In Briefen berichten sie ihrem Schuldirektor, Ernst Albert Fabarius, von ihrem Alltag als Siedler, von Überfahrt und Ankunft in dem damaligen "Deutsch-Südwestafrika", heute Namibia.

Im Gepäck hatten sie nicht nur praktisches Farmerwissen, sondern auch den imperialen Zeitgeist und rassistische Herrenmenschen-Ideologie ...

Kriegsbeute oder Forschungsgegenstand? – Rückgabe an die Nama

Witzenhausen und sein koloniales Erbe

Auf dieser Fläche war ein menschlicher Schädel montiert, er kam am 8. Mai 1908 in Witzenhausen an. 2013 entdeckte ihn eine Studentin, die für ihre Masterarbeit forschte, auf dem Dachboden der Sammlung unter einem Glassturz.

Eine Restitutions-Recherche ergab, dass es sich dabei um den Schädel einer Nama-Frau handelte.

Er wurde 2018 vom Deutschen Institut für tropische und subtropische Landwirtschaft GmbH, dem rechtlichen Nachfolger der ehemaligen Kolonialschule, an eine Delegation der Nama übergeben.