Numidia auf dem Dirigentenpodest
Balázs Nemes erklärt Numidia, was man beim Dirigieren beachten muss. Bild © hr/Ben Knabe

Freitag, 12 Uhr, in der Turnhalle der Marienschule in Offenbach. Rund 350 Mädchen zwischen elf und 16 Jahren sitzen auf dem Boden. Auf der Bühne und davor haben die 45 Mitglieder des hr-Sinfonieorchesters auf Stühlen Platz genommen. Das Orchester ist wie jedes Jahr auf Tour durch Hessens Schulen.

"Das frühe Aufstehen sind wir gar nicht gewohnt", meint Schlagzeuger Konrad Graf grinsend und nimmt sich einen Kaffee, "heute morgen waren wir nämlich schon um acht Uhr in Maintal an der Schule." Zwei Konzerte pro Vormittag absolviert das Orchester so innerhalb von vier Tagen.

"Wer von Euch spielt denn selbst ein Instrument?" Die erste Frage kommt vom Moderator an die jungen Zuhörerinnen. Gefühlt recken 99 Prozent der Anwesenden ihre Arme hoch. Aber kaum ist das erste Stück, das Lied des Torero aus der Oper "Carmen", gespielt, prasseln die Fragen auf die Musiker ein. Moderator Stefan Hoffmann kann sich kaum retten vor den vielen Fingern, die in die Luft gehen. Ein paar Mädchen haben sogar schriftliche Fragen vorbereitet, die sie nun vorlesen dürfen: "Wie lang habt ihr für das Stück geübt?" "Wer ist der Jüngste im Orchester?" "Spielt ihr auch noch andere Instrumente?" "Was macht ihr in eurer Freizeit?"

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Fast ungläubig sind die meisten Mädchen, als sie erfahren, dass die Profimusiker so ein Stück nur ein- oder zweimal durchspielen, bevor sie so ein Schulkonzert geben. "Die üben einfach sowieso jeden Tag", erklärt Stefan Hoffmann, "das ist ja ihr Beruf." Als nächstes lässt das Orchester mit der "Morgenstimmung" von Edvard Grieg "musikalisch die Sonne aufgehen", wie sich Hoffmann ausdrückt. "Ihr könnt beim Zuhören ruhig mal die Augen zumachen und schauen, was ihr für eigene Bilder im Kopf habt", empfiehlt er. Fast jeder im Raum kennt das Stück aus der Fernsehwerbung. Die Kinder haben dazu eine Bildergalerie mit eigenen Fotos zum Thema "Morgenstimmung" erstellt, die nun auf der Leinwand hinter den Musikern erscheint: Bäume in der Sonne, nackte Füße unter der Bettdecke, ein Nutellabrötchen, der Zahnputzbecher, ein Bahnsteig und vieles andere ist zu sehen.

Zum Star des Konzerts ist aber eindeutig Felix Hörler, ein 18jähriger Geiger, der als Solist ein Rondo von Mozart spielt. Die Mädchen im Raum sind ganz hingerissen und belagern ihn nach dem Konzert noch mit Fragen.

Doch vorher lenkt der Moderator die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auf den Mann, der vor dem Orchester steht und dirigiert. Es ist diesmal sogar ein Musiker aus den eigenen Reihen: Balázs Nemes, normalerweise Solo-Trompeter im hr-Sinfonieorchester. "Was muss man lernen, um Dirigent zu werden?", meldet sich dann gleich ein Mädchen. Die Frage von Numidia nimmt Stefan Hoffman zum Anlass, ihr gleich den Dirigentenstab in die Hand zu drücken: "Komm, das ist deine einmalige Chance, so viele Erwachsene mal nach Deiner Pfeife tanzen zu lassen!" ermutigt sie Hoffmann. Nach anfänglichem Zögern steigt sie auf das Dirigentenpodest und hört Balazs Nemes Anleitung ernsthaft zu. Dann lässt sie die 45 Erwachsenen nach ihrem Takt spielen, und als das Stück zuende ist und ihre Mitschülerinnen laut applaudieren, dreht sie sich freudestrahlend um: "Das war super!"

Ebenfalls Freude überstrahlt das Gesicht der Rektorin der Schule: "Dass Sie es geschafft haben, 350 Mädchen an einem Freitagmittag vor den Pfingstferien so still zu halten: Hut ab! Und natürlich tausend Dank für dieses tolle Konzert hier bei uns in der Schule! Wir wissen das sehr zu schätzen, dass so ein berühmtes Orchester zu uns in die Schule kommt." Als Dank bekommen alle Musiker Blumen geschenkt und gehen mit einem Lächeln nachhause.

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