Manfred Döring am Schreibtisch

Wie findet man den perfekten "Tatort"-Drehort? Manfred Döring, der als Szenenbildner beim hr arbeitet, erzählt von passgenauen Wohnwelten und warum er für seinen Job auch schon mal durch die Kanalisation kriecht.

Worin liegen Ihre Aufgaben als Szenenbildner?

Der Szenenbildner macht beim Film das, was der Bühnenbildner beim Theater macht. Mein Team und ich gestalten alles, was man im Film sieht, abgesehen vom Kostüm: von der Milchtüte über den Bus bis zum Hochhaus, bei dem die Fenster explodieren. Zuerst lese ich das Drehbuch und bespreche es mit dem Regisseur. Gemeinsam schauen wir, wo die Reise hingeht. Dann beginnt die Drehortsuche, und man malt nach und nach das Bild.

Ihr jüngstes Großprojekt war der hr-Tatort "Angriff auf die Wache 08", der am 20.10.2019 im Ersten gezeigt wird. Welches Bild haben Sie hierfür gemalt?

"Angriff auf die Wache 08" ist eine Adaption von einem John-Carpenter-Thriller aus den 70er Jahren, und ich habe mich aus der Farbpalette dieser Ära bedient. Die zentralen Bestandteile der Handlung spielen in einer ehemaligen Polizeiwache, die belagert und nach und nach in Schutt und Asche gelegt wird. Es ist also ein Kammerspiel. Dafür habe ich ein Werkstattgebäude zu einem großzügigen Raum umbauen lassen und konnte dafür die Kenntnisse nutzen, die ich in meinem Architekturstudium erlangt habe.

Ist ein gutes Szenenbild Geschmackssache?

Ich versuche, meinen eigenen Geschmack zu vernachlässigen und für die Figuren neu zu denken ... Egal, ob es um eine neureiche Bankersgattin geht oder um eine Familie, die pleite ist und aus ihrem Häuschen geworfen wurde: Ich recherchiere viel, um in diese Wohnwelten einzutauchen und gebe den Figuren ein Zuhause. Und das ist das, was ich an dem Beruf so mag. Dass ich jedes Mal auf neue Figuren treffe und mich auf neue Charaktere einlassen kann.

Was ist für Sie persönlich das Spannende bei der Drehortsuche?

Ich bin ein totaler Fan davon, in realen Drehorten zu filmen, weil echt nun mal echt ist. Bei Szenenbildern, die ich künstlich herstelle, müsste ich mich erst einmal darum bemühen, es echt und glaubhaft zu machen. Gerade zu Beginn der Drehortsuche lerne ich viele neue Ecken kennen, selbst innerhalb meiner Heimatstadt Frankfurt. Für "Angriff auf die Wache 08" war ich auf mehreren Kasernengeländen hier in der Umgebung. Schließlich haben wir in der Backsteinbaracke einer ehemaligen US-Kaserne in Friedberg den idealen Drehort für unsere 70er-Jahre-Wache gefunden. In dem Film gibt es auch eine unterirdische Verfolgungsjagd. Dafür habe ich mir die Abwasserkanäle in Frankfurt und Hanau angesehen und bin durch Kanalisationen gekrochen.

Sie kommen als Szenenbildner offenbar ganz schön rum.

Ja, von der Privatvilla über Clubs, Bars, Hochhausdächer bis in die kleinsten Sozialwohnungen: Alles, was im Film vorkommt, habe ich ja vorher besichtigt. Mein Beruf hat durchaus etwas Touristisches, auch deswegen macht er mir unglaublich viel Spaß.

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Zur Person

Manfred Döring, geboren und aufgewachsen in Frankfurt und Kelkheim im Taunus, hat Architektur an der TU Darmstadt studiert. Schon währenddessen war er als freier Künstler im Bühnenbild, Kostüm und in der Theaterregie tätig. Nachdem er ab 1998 sechs Jahre lang Leiter des Artdepartments der Madbox Filmtrick GmbH war, arbeitete er ab 2004 als freischaffender Szenenbildner für TV- und Kino-Produktionen. Unter vielen Projekten stattete er für den hr die TV-Filme "Viel zu nah" (2016), "Hit Mom – Mörderische Weihnachten" (2016), "Größer als im Fernsehen" und den Tatort "Angriff auf die Wache 08", der am 20.10.2019 im Ersten zu sehen ist.

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