Youtube-Künstlerin Coldmirror
Youtube-Künstlerin coldmirror aka Kathrin Fricke macht mit beim Schülermedientag "COME ON" im hr Bild © hr/Tim Wegner

Parodien von Harry-Potter-Filmen, schlampig-kreativ animierte Videos und Sketche: Das ist "coldmirror" aka Kathrin Fricke, Star bei Youtube und funk. Die 34-jährige Netzkünstlerin unterstützt Schulprojekte des hr. Ihr nächster Termin: der Medientag "COME ON" am 30. Oktober im hr. Im Interview spricht sie über Humor und Hater-Kommentare.

2006 hast du dein erstes Youtube-Video gedreht. Wie kam es dazu?

Weil mir im Studium, ich habe Kunstwissenschaft studiert, langweilig war. Da gab es noch diese schlecht verpixelten Videos, die nicht länger als zehn Minuten sein durften. Ich habe zuerst Ausschnitte von Harry-Potter-Filmen witzig synchronisiert. Die Videos habe ich anfangs nur für Freunde gedreht. Dass sich dann plötzlich Zehntausende die Videos anschauten, war gar nicht geplant. Um den Leuten dann zu zeigen, wer eigentlich hinter der Stimme steckt, habe ich Videoblogs gedreht. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, mich selbst zu filmen – ich habe ja auch nicht gerade das schönste Gesicht (lacht). Jetzt zeichne ich meine eigenen Sachen und spiele meine Stimme ein.

Du animierst zurzeit Clips für "What’s Web", einem Projekt vom hr und dem Hessischen Kultusministerium. Die Videos sollen bei Jugendlichen den bewussten Umgang mit Medien fördern. Wie fühlt es sich an, dass deine Videos jetzt als Schulmaterial genutzt werden?

Das ist sehr komisch. Ich frage mich dann: Finden die Jugendlichen die Videos lustig? Oder denken sie: "Oh, Scheiße, jetzt muss ich mir wieder so ein Video in der Schule anschauen!" Ich möchte nicht uncooles Schulmaterial sein, sondern hoffe, dass die Schüler die Videos lustig finden. Ich persönlich fand Filmegucken in der Schule immer total langweilig. Also: Sorry an alle, die sich das jetzt in der Schule angucken müssen! (lacht)

In einem der Clips geht es um "Hate Speech". Wie gehst du mit Hater-Kommentaren um?

Um wirklich alle Kommentare zu erfassen, reicht ein Menschenleben nicht aus. Kommentare lese ich allgemein immer nur in den ersten Minuten, nachdem ich ein Video hochgeladen habe. Wenn ich mal Hass-Kommentare bekomme, lasse ich sie einfach stehen und lasse mich davon nicht kaputt machen.

Das Video endet mit der Frage, wie wohl eine Welt ohne Hass aussehen würde. Was meinst du denn?

Wahrscheinlich wie beim dystopischen Science-Fiction-Film "Equilibrium – Killer of Emotions", bei dem alle ihre Gefühle unterdrücken. Aber es wird leider immer Hassgefühle geben. Die Menschheit ist nicht fähig, die komplett hassfreie Utopie zu erreichen. Trotzdem ist es wert, zu versuchen, sie zu erreichen. Es sollte normal sein, nett zueinander zu sein. Ich merke es an mir selbst, dass ich glücklicher bin, wenn ich meinen Hass nicht an Menschen auslasse.

Warst du da früher anders?

Damals, in meinen Synchros, habe ich Witze über Minderheiten gemacht. Das sind super schlimme Themen, das ist nicht witzig! Aber ich weiß, dass ich mich in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt habe. Man kann Leute auch anders zum Lachen bringen. Man muss sich auch ein bisschen anstrengen, um ein bisschen höhere Jokes zu reißen.

Und was denkst du heute über diese Videos?

Wenn ich die Synchros von damals angucke, habe ich Fremdschäm-Momente. Ich denke dann aber auch, dass ich dadurch berühmt geworden bin, deswegen haben die Videos einen Platz in meinem Herzen. Damals hatte ich andere Freunde, habe mich auf anderen Webseiten rumgetrieben und war trauriger und wütender. Heute weiß ich, dass es viel besser ist, positiv zu denken.

Du machst jetzt lieber anspruchsvollere Witze?

(überlegt) Na ja, meine Witze sind immer noch total stumpf (lacht). Ich stehe aber total auf extremen Nischen-Fan-Humor. Das ist voll mein Ding! Neulich auf der TINCON, der TeenageInternetwork Convention, hat mich jemand angesprochen: "Hey, in der Folge bei StarStarSpace, das war doch voll die Anspielung auf die und die Star-Trek-Folge!" Wir haben uns als Fans von der Originalserie direkt total gut verstanden. Darum mache ich das so gerne! Das ist Humor, den vielleicht nicht ganz so viele verstehen, aber die, die es verstehen, finden es richtig geil.

Dann sind deine Videos aber auch nicht für das große Publikum gedacht?

Ich will nicht berühmt sein. Ich bin damit zufrieden, wenn das weniger Leute gucken, die dafür dann aber auf meiner Wellenlänge sind.

Du hast mal erwähnt, dass du gerne ein Buch herausbringen willst. Soll es eher ernsthaft oder witzig werden?

Alles was ich mache, wird letzten Endes zur Komödie, glaube ich. Ich will einen Science-Fiction-Roman schreiben. Dafür habe ich auch schon einige Bücherlein vollgeschrieben. Als ich zuletzt reingeschaut habe, dachte ich: Was hast du denn da geschrieben? Ich hab‘ mich kaputt gelacht! Selbst wenn ich versuche, ernsthaft zu sein, wird’s lustig. Ich kann einfach nicht anders. Also wird es wohl ein ernsthafter Roman mit witzigen Einschüben. Weil ich einfach so bin.

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Kathrin Fricke aka coldmirror

Die Video- und Netzkünstlerin, geboren 1984 in Bremen, ist durch ihren 2006 gestarteten Youtube-Kanal "coldmirror“ bekannt – von Februar bis Oktober 2009 der am meisten abonnierte Youtube-Kanal Deutschlands.  Von 2010 bis 2016 gestaltete und moderierte sie ihre eigene Fernsehsendung "Coldmirror“  auf dem ARD-Digitalsender ONE. 2011 gewann Fricke den Grey-Nachwuchspreis beim Wettbewerb um den Ersten Deutschen Webvideopreis. Außerdem wurde sie für den Deutschen Radiopreis in der Kategorie "Beste Innovation“ nominiert. 2017 gewann sie den Sondermann-Förderpreis für Komische Kunst. Seit 2016 ist Fricke bei funk und produziert hier erfolgreich die Zeichentrickserie "StarStarSpace", in der sie die Science-Fiction-Serien "Star Wars" und "Star Trek" parodiert.

Aktuell erstellt sie Clips für "What’s Web". Mit diesen Videos wollen der hr und das Hessische Kultusministerium auf Chancen und Gefahren im Netz aufmerksam machen. Außerdem beteiligt sich die Bremerin am Schüler-Videowettbewerb "Meine Ausbildung – du führst" Regie des hr. Dafür produziert sie Erklär-Clips und wählt in einer Jury die jährlichen Jugendfilm-Gewinner aus. Bei "COME ON", dem ersten Medientag für Schülerinnen und Schüler im hr am 30. Oktober,  wird Kathrin Fricke am Abschlusstalk teilnehmen.

Informationen zum Medientag "COME ON" am Dienstag, 30. Oktober, im hr-Funkhaus in Frankfurt gibt es hier.

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