"Puls 180": Prinz Marcus von Anhalt und Thomas Adam in einem Auto
Arm trifft reich: "Puls 180" mit Prinz Marcus von Anhalt (links) und Thomas Adam Bild © hr

Eigentlich wären sie sich nie begegnet: Ein ehemaliger Obdachloser trifft einen Multimillionär, der sein Geld mit Prostitution und Sexclubs verdient hat. Dieser Film der Reportage-Reihe "Puls 180" hat im Internet mittlerweile mehr als eine Million Aufrufe. Neue Folgen sind in Planung.

Als Thomas Adam und Prinz Marcus von Anhalt aufeinandertreffen, wissen sie nicht, was sie erwartet. Sie wissen nur, dass sie jeweils einen Tag in der Lebenswelt des anderen verbringen werden – und, dass diese Welt ganz anders ist als ihre eigene. Thomas Adam war 20 Jahre obdachlos und ist mittlerweile seit elf Jahren trockener Alkoholiker. Prinz Marcus von Anhalt ist Multimillionär und hat sein Geld durch Prostitution und Sexclubs verdient. Ihr Zusammentreffen ist ein Wagnis, für sie selbst und die hr-Filmemacher Roberto Tossuti und Gunnar Henrich, die es für die Reportage-Reihe "Puls 180" arrangiert haben.

Beim Dreh: Die hr-Filmemacher Roberto Tossuti (links) und Gunnar Henrich
Beim Dreh: Die hr-Filmemacher Roberto Tossuti (links) und Gunnar Henrich Bild © Alexander Desch

Sie treffen sich am "Zweitwohnsitz" von Thomas Adam – so nennt er den Hauseingang nicht weit vom Frankfurter Römer, in dem er lange übernachtet hat. Der ehemalige Obdachlose zeigt dem Prinzen wichtige Stationen seines Lebens auf der Straße, wie die Bahnhofsmission. Eine Woche später lädt Prinz Marcus von Anhalt Thomas Adam in seine Welt ein – auf eine Fahrt im Rolls Royce und in eine seiner unzähligen Immobilien, denn er pendelt ständig zwischen Frankfurt, Südfrankreich und Los Angeles. Das Haus, das Thomas Adam besucht, steht in Frankfurt-Sachsenhausen. "Dort hat es eine Szene gegeben, die uns beim Dreh völlig überrascht hat", sagt Filmautor Roberto Tossuti. "Im Kinderzimmer seiner Tochter erzählt Prinz Marcus von Anhalt von seiner eigenen Kindheit, dem Absturz der ehemals reichen Familie, der Trennung der Eltern und dem Tod seines Vaters, der betrunken in einen Bach gestürzt ist und dann ertrank. Das war eine sehr emotionale Situation." Von solchen Momenten lebt die Reportage-Reihe. Der Film ist auf YouTube mittlerweile mehr als eine Million Mal geklickt und oft kommentiert worden, zusätzlich zu einem Marktanteil im hr-fernsehen von 6,8 Prozent in Hessen bei zwei Ausstrahlungen Anfang Dezember 2017.

"Natürlich ist der Erfolg von ‚Arm trifft Reich‘ etwas Besonderes und liegt auch an Prinz Marcus von Anhalt", sagt Roberto Tossuti. "Aber auch die anderen Filme der Reihe laufen sehr gut." So hat die Folge, in der eine Metzgerin auf eine Tierrechts-Aktivistin trifft, bisher fast 400.000 Aufrufe und mehr als 6.000 Kommentare, zusätzlich zu einem Marktanteil im hr-fernsehen von 4 Prozent bei zwei Ausstrahlungen im November 2017. In einer anderen Folge lernen sich ein Friseurmeister mit afrikanischen Wurzeln aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel und der Kreisvorsitzende der AfD Kassel Land kennen.

Prinz Marcus von Anhalt (rechts) und Thomas Adam am Esstisch
Zwei unterschiedliche Lebenswelten: Prinz Marcus von Anhalt (rechts) und Thomas Adam Bild © hr

Was der ehemalige Obdachlose und der Rotlicht-Prinz voneinander halten? "Der ganze Typ beeindruckt mich", sagt Thomas Adam. "Wie er so durch das Leben geht, wie offen er ist, dass er nicht zurückhaltend ist mit dem, was er hat." Prinz Marcus von Anhalt hält nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg und sagt, Obdachlosigkeit in Deutschland sei für ihn das eigene Versagen des Obdachlosen. Aber Thomas Adam sei "ein sympathischer Typ, er hat viel erlebt, und er hat die Kurve gekriegt – Respekt." Ein Wiedersehen ist für ihn aber ausgeschlossen.

Bislang wurden für die Sendereihe "Puls 180" im hr-fernsehen vier Folgen gedreht. Alle sind bei YouTube zu finden. Unvoreingenommen beobachten dabei die Filmautoren die Begegnung der Menschen, die zuerst nichts voneinander wissen. Den Tagesablauf und die Themen, über die gesprochen werden, steuern die Protagonisten. Sie erleben dabei Momente, in denen es ihnen die Sprache verschlägt – und der Puls steigt. Die Reportage macht ernst mit einer viel zitierten Idee: dass Menschen lieber miteinander statt übereinander reden sollen. Neue Folgen sind in Planung.

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