Ulrich Lampen (li., Regie) und Sylvester Groth (Sprecher).
Ulrich Lampen (li., Regie) und Sylvester Groth (Sprecher). Bild © hr/Ben Knabe

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat die hr-Produktion "Das Notizbuch vom Kiefernwald" von Francis Ponge zum Hörspiel des Monats Juli 2018 gewählt. Dramaturgie und Redaktion lagen bei Peter Liermann (hr2-kultur).

Aus der Jurybegründung:

Ulrich Lampen hat ein Antihörspiel geschrieben. Seine radiophone Anverwandlung von Ponges "Das Notizbuch vom Kiefernwald" in der Übersetzung Peter Handkes entspricht in ihrer spröden Verweigerung erzählerischer oder auch akustischer Kulinarik auf überraschende Weise der asketisch-meditativen Besinnung Ponges auf das Objekt selbst, auf das Rohe an ihm, auf das, was es unterscheidet von dem was der Dichter über es geschrieben hat: Es ist die Schrift, die sich vom Objekt entfernt, die Literarisierung, die der französische Dichter damit im Schreiben selbst kritisiert. Und wie ein Gelübde klingt es, wenn er gleich eingangs verspricht, keinesfalls "das Objekt meiner Wissbegier keinem Vorzeigen irgendeines gelegentlichen Wortfunds zu opfern, auch nicht dem Arrangieren einiger solcher Funde zu einem Poem".

Weitere Informationen

hr2-kultur

Ende der weiteren Informationen

Dem entspricht Lampen durch eine Rücknahme alles Inszenatorischen: So scheint er nur diejenigen der Regieanweisungen, die er seinem Libretto mitgegeben hat, zu befolgen, hält er sich streng nur an jene, die einen Verzicht fordern: "Wir brauchen keine virtuose Musik". Es gibt ein paar Fauré-Akkorde. Es gibt ein wenig atmosphärisches Rauschen. Der Rest ist Sprache - im Raum gesprochen, glasklar intoniert von Sylvester Groth. Sperrig und faszinierend hört sich Ponges Dichtung, die gar nicht auf die Performance, die Phoné setzt, in Ulrich Lampens Arbeit an.

Zwar gibt es einen Ursprung in der symbolistischen Dichtung - "die Pinien Ponges wurzeln bei Claudel", schreibt Daniel Rondeau, aber eine symbolistische Deutung verbietet sich und das Vorhaben geht über den Hoffmannsthalschen Sprachekel weit hinaus: Möglicherweise lässt sich eine Verwandtschaft der Intention mit den Kritiken totalitärer Sprache bei Orwell, Huxley, Klemperer andeuten – bei gleichzeitig radikal eigenständigem, ganz anderem und poetologisch sehr tief begründeten Ansatz.