Dunja Sadaqi mit hr-Mikrofon am Ufer, im Hintergrund Menschen
hr-Journalistin Dunja Sadaqi im Hafen von Joal-Fadiouth/Senegal. Bild © Melisa Lota

"Ich freue mich riesig", sagt Dunja Sadaqi, "der Preis motiviert mich auch weiterhin, mich mit viel Energie und Neugier auf knifflige Inhalte zu stürzen". Die Junior-Korrespondentin im hr-Landtagsstudio erhielt den mit 4.000 Euro dotierten dritten Preis unter anderem für die große Bandbreite ihrer Themen – sie berichtete etwa schon für den hr aus dem Senegal (Foto). Wir haben mit ihr gesprochen – über interessante Begegnungen und ihre Leidenschaft fürs Radiomachen.

Frau Sadaqi, was bedeutet dieser renommierte Preis für Sie?

Dunja Sadaqi: Auf jeden Fall Motivation! Ich freue mich sehr, bin dankbar und glücklich über diese besondere Auszeichnung. Der Preis lässt mich daran zurückdenken, als ich während meines Studiums 2010 in den hr gekommen bin und vom Radiomachen so gar keine Ahnung hatte. Seitdem habe ich viele tolle Menschen kennengelernt, die mir vor allem ermöglicht haben, zu lernen, mich auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Und es ist immer noch eine spannende Reise.

Was fasziniert Sie am Radiomachen?

Dunja Sadaqi: Dass ich "Kamerafrau im Kopf" sein kann, durch Beschreibungen und Geräusche Bilder erzeugen, Hörerinnen und Hörer (hoffentlich) ein Stück mit in mein Erlebtes ziehen und ihnen so Informationen näherbringen kann. Daher mache ich auch am liebsten längere Reportagen. Hier kommt alles zusammen, was ich an Radiohören liebe: die Kombination aus Kino im Kopf und Information.

Mich fasziniert aber auch, dass wir als Journalistinnen und Journalisten an schwer zugängliche Orte gehen und den unterschiedlichsten Menschen begegnen. Das ist nicht für jeden einfach so möglich. Wir sprechen mit Verantwortlichen und politischen Entscheidungsträgern, Menschen vertrauen uns aber auch zutiefst persönliche und manchmal sogar schwer verdauliche Geschichten an. Das ist für mich ein Privileg, aber auch eine große Verantwortung.

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Vita

Dunja Sadaqi studierte in Darmstadt Online-Journalismus. Seit 2010 arbeitet sie beim hr, wo sie von 2013 bis 2015 ein trimediales Redaktionsvolontariat absolvierte. Dunja Sadaqi war beim hr unter anderem schon als Radioreporterin für Hessenthemen und Fernsehautorin für Wissenschaftsthemen tätig. Sie verstärkte 2016 für sechs Monate das ARD-Studio in Rabat und arbeitete im bundesweit einmaligen hr-Projekt "Grenzenlos: Freiheit und Einheit in Hessen" als Mediencoach. Seit 2017 ist sie im hr-Landtagsstudio in Wiesbaden als Junior-Korrespondentin tätig.

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In den letzten Jahren ist noch etwas Anderes dazugekommen: dass wir unsere Reportagen oder Beiträge vermehrt auch in anderen Ausspielwegen veröffentlichen können. Ich war zum Beispiel im November 2017 in Jordanien. Zusammen mit der Politikredaktion und der hr-iNFO-Onlineredaktion konnte ich aus meiner Reise nicht nur eine Radio-Politiksendung produzieren, sondern auch viele Fotos und Videoaufnahmen für unsere Social-Media-Kanäle und für hr-inforadio.de aufbereiten: "Ein Besuch in Za'atari - Vom Flüchtlingslager zur viertgrößten Stadt Jordaniens". Die Verzahnung mehrerer Ausspielwege finde ich spannend.

Wie schaffen Sie es, die Hörerinnen und Hörer vom Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu überzeugen?

Dunja Sadaqi: Die Frage habe ich mit Kolleginnen und Kollegen schon oft diskutiert. Ich denke, wir sollten gute Arbeit machen und über unsere Arbeit reden. Damit meine ich, dass ich meinen Job gewissenhaft und transparent mache. Gerade in den vergangenen Jahren habe ich vermehrt kritische, aber auch unsichere Fragen über unsere Arbeit gestellt bekommen. Wie unabhängig sind wir in unseren Redaktionen? Von wem werden wir beeinflusst oder sogar manipuliert? Warum berichten wir wie? Das passiert mit Interviewpartnern, Leuten "auf der Gass'" oder auch mit Bekannten und Familie.

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Der Preis

Der Kurt-Magnus-Preis der ARD, eine Auszeichnung für junge Journalistinnen und Journalisten der ARD-Rundfunkanstalten, wurde 2018 mit einer Gesamtdotierung von 22.000 Euro zum 56. Mal vergeben.

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Bei aller Selbstkritik und -reflexion dürfen wir ruhig mutiger auftreten und müssen uns nicht verstecken. 2016 habe ich als Mediencoach für das hr-Projekt "Grenzenlos – Freiheit und Einheit für Hessen" mit hessichen Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren gearbeitet. Da war es schon schwieriger zu vermitteln, wieso ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk überhaupt wichtig ist. Hier habe ich mitgenommen: Ich muss nah an den Menschen sein, das Gespräch suchen und immer neu zuhören, erklären und zeigen, was wir wie tun.

Dunja Sadaqi interviewt den jordanischen Planungsminister Emad Fakhoury.
Dunja Sadaqi im Gespräch mit dem jordanischen Planungsminister Emad Fakhoury. Bild © Dunja Sadaqi