Sebastian Schreiber
Für den hr in Washington: Sebastian Schreiber Bild © hr

Sebastian Schreiber arbeitet seit Juli 2018 ein Jahr für den hr als Junior-Korrespondent im ARD-Hörfunkstudio in Washington – zur Halbzeit spricht er mit uns über den Korrespondentenjob während der Präsidentschaft von Donald Trump und erzählt, warum man "echte" Amerikaner eher außerhalb von Washington trifft.

Wieso haben Sie sich als Junior-Korrespondent in Washington beworben?

Sebastian Schreiber: Man bekommt so als junger Journalist die Möglichkeit, sehr früh das Leben eines Korrespondenten kennenzulernen. Für mich ist außerdem ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Mich faszinieren die USA seit meiner Kindheit. Hätte man mir eine Weltkarte hingelegt und gefragt, wo ich arbeiten möchte, wären die USA auch meine erste Wahl gewesen. Washington, diese Stadt mit ihren ganzen Ministerien, Monumenten und Museen hat eine wahnsinnige Ausstrahlung und ich genieße es, dass ich hier jetzt eine Zeit lang arbeiten darf.

Was unterscheidet Ihre Arbeit von der eines Senior-Korrespondenten?

Als Junior-Korrespondent bleibe ich nur ein Jahr in Washington, Senior-Korrespondenten bis zu fünf Jahre. Die Erfahrung der Kollegen zeigt sich zum Beispiel in ihren Kommentaren und der Analyse der Themen – ich kann hier unheimlich viel lernen. Thematisch und im Ablauf unterscheidet sich mein Alltag jedoch nicht allzu sehr von dem der anderen. Wir alle versuchen, so oft es geht, durch das Land zu reisen. Washington ist als Hauptstadt mit ihren ganzen Beamten, Politikern und Lobbyisten eine politische Blase und spiegelt nicht gerade den Bevölkerungsdurchschnitt der Vereinigten Staaten wider. Wenn du wirklich wissen willst, was die Menschen im Land denken, dann musst du raus in die angrenzenden Staaten wie Virginia oder Maryland. Im September war ich zum Beispiel in Wisconsin unterwegs, um über die Republikaner zu berichten.

Sebastian Schreiber interviewt einen jungen Mann
"Wenn man Passanten auf der Straße befragt, tun die Menschen sehr gerne und offen ihre Meinung zu unterschiedlichsten Themen kund." Bild © hr

Wie intensiv tauschen Sie sich als ARD-Hörfunkkorrespondent mit den ARD-Fernsehkorrespondenten in Washington aus?

Wir sitzen in einem Gebäude und haben gemeinsame Konferenzen, tauschen uns über die Themen aus. Allein dadurch arbeiten wir häufig zusammen und das wird in Zukunft noch intensiver. Steht ein Hörfunk-Interview an, das auch das Fernsehen interessiert, können wir ein Kamerateam mitnehmen – im Gegenzug können die Hörfunkkorrespondenten oftmals die O-Töne des Fernsehens verwenden.

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Korrespondenten-Podcast

Im NDR Info Korrespondenten-Podcast aus Washington erklären die Radiojournalisten, was hinter den Nachrichten der Woche steckt.

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Ich moderiere einmal in der Woche einen Podcast aus dem Studio, bei dem häufig auch Fernsehkorrespondenten mitmachen.

Gibt es ein Thema, das Sie in Ihrer Arbeit besonders interessiert?

Ich habe vor meiner Zeit in Washington für hr-iNFO in der Politikredaktion und für die Nachrichten gearbeitet. Das passt super zum Korrespondentenjob – hier dreht sich natürlich vieles um die Politik im Weißen Haus. Daher war auch die Kongresswahl ein Highlight für mich. Alle sind gespannt, wie sich die neuen Machtverhältnisse im US-Kongress auf Donald Trumps Politik auswirken. Ich interessiere mich außerdem für Wirtschaftsthemen und finde es spannend zu beobachten, was der Protektionismus der US-Regierung bewirkt. Das Schöne bei uns im Studio ist, dass es keine festen Ressorts gibt – wir berichten über alles, das in Deutschland interessant sein könnte. Ich kümmere mich zum Beispiel gerne um die Basketballliga NBA - die ist auch privat ein Thema für mich.

Ist die Arbeit als Korrespondent in Zeiten von Präsident Trump etwas Besonderes?

Seit Donald Trump Präsident ist, arbeitet das Studio in Washington unter Hochdruck. Wir sechs Hörfunkkorrespondentinnen und –korrespondenten beliefern mit unseren Beiträgen mehr als sechzig Radiowellen. Und unter Trump finden im Moment wichtige Entwicklungen parallel statt. Es gibt eine Debatte über seine Rhetorik, die Art und Weise, wie er mit den Medien umgeht.

Onkel Otto auf Sebastian Schreibers Schreibtisch
Weitgereist: Onkel Otto im ARD-Studio Washington Bild © hr

Sind Sie dem US-Präsidenten schon mal persönlich begegnet?

Ich habe ihn auf einer Wahlkampfveranstaltung in West Virginia erlebt – das war schon beeindruckend. Seine Anhänger sind begeistert von ihrem Präsidenten. Mir als Reporter sind sie freundlich gegenübergetreten. Die Gespräche haben mir geholfen, zu verstehen, warum sie Trump unterstützen – ganz egal, ob man seine Überzeugungen persönlich teilt oder nicht. Bei den Pressekonferenzen im Weißen Haus sind wir in der Regel nicht persönlich dabei – es sei denn, es kündigt sich Besuch aus Deutschland an.

Wie gut haben Sie sich in den letzten Monaten in den USA eingelebt?

Das geht sehr schnell. Die Kollegen im Studio haben mich sehr freundlich aufgenommen. Europäer empfinden die amerikanische Mentalität oftmals als oberflächlich. Ich finde eher, dass hier eine andere Kultur der Offenheit herrscht. Wenn man Passanten auf der Straße befragt, tun die Menschen sehr gerne und offen ihre Meinung zu unterschiedlichsten Themen kund. Und auch als Neuankömmling machen es einem die Amerikaner extrem einfach, ich bin hier mit offenen Armen empfangen worden.

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Lebenslauf

Sebastian Schreiber, geboren 1990 in Gießen, hat Publizistik und Politikwissenschaft in Mainz und Utrecht (Niederlande) studiert. Seine ersten Berichte schrieb er als Sportreporter der Wetzlarer Neuen Zeitung. Seit 2015 arbeitet er für den Hessischen Rundfunk, erst als Volontär, später als Reporter für Hörfunk und Fernsehen. 2017 wechselte er zu hr-iNFO in die Ressorts Politik und Nachrichten. Seit Juli 2018 ist er Juniorkorrespondent im ARD-Studio Washington.

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Unsere Auslandskorrespondenten im Überblick

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