Fahne mit der Aufschrift "Wir zeigen Flagge für Vielfalt" vor dem Haupteingang des hr.

Der Hessische Rundfunk hat sich am internationalen Diversity-Tag beteiligt. Nicht nur mit dem Hissen der "Charta der Vielfalt"-Fahne vor dem Frankfurter Funkhaus am Dornbusch will der hr Flagge zeigen, sondern auch mit der Einrichtung eines Diversity-Managements, wie Intendant Krupp in diesem Interview ankündigt.

hr.de: Herr Krupp, Diversity ist seit einiger Zeit eine Modeerscheinung, an der kein Unternehmen vorbei kommt, ohne der Gefahr eines Shitstorms ausgeliefert zu sein. Wie verhält sich der hr zum Thema Vielfalt?

Manfred Krupp: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass Vielfalt weder für mich noch für den hr eine Modeerscheinung war und ist. Vielfalt gehört seit vielen Jahren zur DNA des hr. Aber natürlich kann man immer noch etwas besser gestalten und das möchte ich an zwei Beispielen deutlich machen: Zum einen hat der Hessische Rundfunk, wie alle anderen ARD-Landesrundfunkanstalten auch, die "Charta der Vielfalt" unterschrieben. Damit verpflichten wir uns als Unternehmen, die Vielfalt in unserem Haus zu fördern. Wir haben ohnehin als öffentlich-rechtlicher Sender die Aufgabe, Hessen in seiner gesamten Vielfalt darzustellen. Und damit sind nicht nur die zahlreichen Regionen und Dialekte gemeint, sondern eben auch die Menschen in all ihrer Vielfältigkeit. Die Geschäftsleitung des hr will aber auch bei der Besetzung von Planstellen und dem Einsatz von freien Mitarbeiter*innen die Vielfalt fördern. Deshalb haben wir ein Diversity-Management eingerichtet, das im Juni seine Arbeit aufnehmen wird. Konkret werden sich unsere Gleichstellungsbeauftragte Sinaida Thiel und Dr. Steffen Janich aus der Rechtsabteilung dem Thema annehmen. Wir wollen damit die Vielfalt im Haus erkennen und fördern sowie eine Strategie dafür entwickeln.

Einige stellen sich an der Stelle sicher die Frage, bin ich auch "divers" oder anders herum gefragt, was fällt eigentlich alles unter dem Begriff "Diversität"?

Manfred Krupp: Es gibt verschiedene Dimensionen der Diversität: Das sind Alter, Ethnische Herkunft und Nationalität, Geschlecht und geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung und Identität, Religion und Weltanschauung sowie Behinderung. Das alles sind unveränderbare Dimensionen, die mich als Mensch ausmachen und prägen. Und dafür oder deswegen darf niemand diskriminiert werden, weder im Alltag noch bei der Arbeit im Hessischen Rundfunk…

… und Vielfalt kann ja auch vielfältige Chancen bedeuten …

Manfred Krupp: Genau das ist unser Ansinnen. Mit einer vielfältigen, mit einer diversen Mitarbeiterschaft können wir auch vielfältige Menschen in Hessen über unsere Angebote auf den unterschiedlichen Ausspielwegen erreichen. Wir können Blickwinkel und Positionen einnehmen, die unsere Programmangebote authentischer und nahbarer machen. Das machen wir an vielen Stellen bereits gut, aber wir können da noch besser werden. Ich glaube fest daran, dass auch unser digitaler Wandel sich mit mehr Diversität bei den Mitarbeiter*innen erfolgreicher gestalten lässt.

Sie sagen das aus voller Überzeugung. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Diversität gemacht?

Manfred Krupp: Meine Töchter sind mir da ein großes Vorbild. Sie haben ihre Schul- und Studienzeit über Freund*innen unterschiedlichster Ethnien und Hautfarben bei uns zuhause zu Besuch gehabt. Sie gehen mit einer Selbstverständlichkeit mit dieser Vielfalt um und nehmen dadurch auch viele unterschiedliche Kulturen, Sichtweisen und Positionen auf. Und ich konnte daran immer mal wieder teilhaben, was mir sehr spannende Einblicke gegeben hat. Ein anderes Beispiel ist mein Friseur: Ich gehe seit vielen Jahren zu einem Friseur im Frankfurter Bahnhofsviertel. Mal werde ich von einem Friseur marokkanischer, mal algerischer Herkunft betreut. Hier kann ich jedes Mal für eine halbe Stunde in eine Welt eintauchen, die mir sonst verborgen geblieben wäre. Und genau das wünsche ich mir eben auch von unseren Mitarbeiter*innen und unserem Programm: Lust, vielleicht manchmal auch Mut, sich auf anderes einzulassen und es über unsere Medien anderen Menschen näher zu bringen.

Welche Hindernisse sehen Sie im hr für eine diverse Belegschaft?

Manfred Krupp: Ehrlich gesagt, keine großen. Trotzdem muss sich jeder selbst fragen, ob er in der ein oder anderen Situation mehr die Probleme oder mehr die Potentiale einer Kolleg*in gesehen hat. Ein Beispiel: Bei der Ausrichtung unserer Angebote auf Web-Tauglichkeit und der Zielgruppe U35 denken einige, dass nur Menschen unter 35 für die Gestaltung dieser Angebote qualifiziert sind. Aber genau das ist falsch, vielmehr ist eine vielfältige Mischung von Mitarbeiter*innen die beste Grundlage, gute Ergebnisse zu erzielen. Da ist langjährige Facherfahrung genauso gefragt, wie die "neuen" Gedanken eines Volontärs. Und dafür werbe ich, seid vielfältig und geht mit Freude an die Aufgaben. Das "Diversity Management" steht für Beratung und Erfahrungsaustausch zur Verfügung und hilft, eine respektvolle Organisationskultur zu pflegen.