Katharina Wilhelm hält ein Mikrofon in der Hand und steht auf der Straße
ARD-Korrespondentin Katharina Wilhelm Bild © hr/Christine Schacht

Anfang August hat hr-iNFO-Redakteurin Katharina Wilhelm die Nachfolge von Nicole Markwald im ARD-Studio Los Angeles angetreten. Damit "geht ein großer Traum in Erfüllung", bekennt sie. Wir haben mit ihr über ihre neue Aufgabe gesprochen.

Katharina Wilhelm (36) ist in Königstein im Taunus aufgewachsen. Sie volontierte im hr und ist seit 2010 als Redakteurin in der hr-iNFO-Politikredaktion tätig. Wir haben sie gefragt, wie sie sich auf ihren neuen Job im großen Vorort von Hollywood vorbereitet hat und welche thematischen Akzente sie in ihrer zunehmend crossmedialen Berichterstattung setzen will.

Wie sind Sie zu der Korrespondentenstelle in L. A. gekommen, und welche Voraussetzungen bringen Sie dafür mit?

Es hört sich nach einem Klischee an, aber Korrespondentin zu werden war ein großer Traum von mir. 2010 hatte ich die Chance, während meines Volontariats im Hessischen Rundfunk einen Monat im ARD-Studio Los Angeles mitzuarbeiten. Daraus hat sich glücklicherweise ergeben, dass ich als Urlaubsvertretung in den vergangenen Jahren immer wieder in die USA reisen durfte und mir so dieses Berichtsgebiet immer weiter erschlossen habe. Das hat natürlich bei der Bewerbung um diesen Posten sehr geholfen. Geholfen hat sicherlich auch, dass ich mich in Deutschland journalistisch breit aufgestellt habe. Im hr war ich als Reporterin oft aktuell im Ü-Wagen unterwegs, wenn es im wörtlichen Sinne gebrannt hat. Zudem habe ich in der Politikredaktion von hr-iNFO gearbeitet, mit dem Schwerpunkt auf Umweltpolitik. Parallel habe ich zudem eine Zeit lang Kinderfernsehen gemacht – bei der Nachrichtensendung "logo!" im gemeinsamen Kanal von ARD und ZDF, KiKA. Diese Erfahrungen kommen mir alle zugute, denn wir machen als Auslandskorrespondenten ja schon lange nicht mehr "nur" Radio, sondern arbeiten crossmedial, liefern Texte für Online und drehen selbst Videos oder schießen Fotos.

Videobeitrag
Katharina Wilhelm vor ihrem Arbeitsplatz in Los Angeles

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zum Video Katharina Wilhelm über ihren neuen Arbeitsplatz

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Mit welchen USA- und Kalifornien-Klischees wollen Sie zuerst aufräumen?

Das kommt drauf an, welche man im Kopf hat. Über die USA gibt es ja viele. Eines lautet sicherlich: „Amerikaner sind ignorant und kümmern sich nur um sich selbst“. Aber natürlich sind viele US-Bürger auch interessiert an europäischer Politik; gerade jetzt, wenn es um Themen wie den Brexit geht, erlebe ich oft, dass sich die Menschen darüber austauschen. Ein anderes Thema ist, dass sich Kalifornien sehr umweltfreundlich gibt und sehr progressiv sei, was Umweltpolitik angeht. Das mag im Vergleich für die USA stimmen. Aber eigentlich ist umweltfreundliche Politik nur in wenigen Sektoren wirklich konsequent. Nach wie vor hat gerade Kalifornien ein riesiges Problem mit wachsendem Verkehr und geringer öffentlicher Infrastruktur. Hier fährt halt wirklich die große Mehrheit Auto. Problematisch ist auch die Hausbauweise: Der Wille zum Energiesparen mag ja vorhanden sein, aber die mangelnden Vorschriften bei der Dämmung sind energetisch eine Katastrophe. Das Klischee stimmt leider: Die Häuser sind wirklich wie aus Pappe gebaut.

Welche sind die aktuellen Top-Themen, die Sie in Ihrer neuen Rolle als ARD-Korrespondentin in L. A. beschäftigen werden?

Im Sommer kommen auf uns immer die Waldbrände in Kalifornien zu – auch dieses Jahr wird uns das wieder ereilen. Ansonsten sind die Tech-Firmen im Silicon Valley wie Facebook, Google oder Apple immer Thema. Außerdem wird uns wohl das Thema Obdachlosigkeit beschäftigen, denn das ist riesig in L. A. und San Francisco und verlangt dringend nach Lösungen.

Worauf freuen Sie sich besonders? Mit welchen Themengebieten jenseits tagesaktueller Fragen möchten Sie sich intensiver beschäftigen?

Ich freue mich einerseits auf "banale" Alltagsthemen, um zu erklären, wie die Menschen hier leben. Dazu gehören auch Themen wie Krankenversicherung, Mutterschutz, Arbeitslosigkeit. Warum kann man in den USA tatsächlich so schnell auf der Straße landen? Das sind spannende Themen. Außerdem interessiert mich das Thema Migration und Flucht. Wir sind mit unserem Studio gerade mal drei Autostunden von der mexikanisch-amerikanischen Grenze entfernt, über die immer noch viele Migranten und Flüchtlinge  vor allem aus Mittelamerika strömen. Der US-Präsident fährt eine harte Linie gegen alle Migranten, und wie man weiß, will er ja seine Mauer an die Grenze zu Mexiko bauen. Kalifornien versteht sich als liberaler Staat, der sich auch mal auf die Seite der Migranten ohne Papiere stellt. Die Bundesbehörden aber versuchen, die Illegalen teilweise brutal aus ihren Häusern zu holen. Es gibt Camps, in denen offensichtlich auch kleine Kinder unter schlechten Bedingungen festgehalten werden. All das sind Geschichten, die erzählt werden wollen.

Los Angeles gilt unter anderem als Synonym für Hollywood. Werden Sie als bekennender Filmfan hier einen besonderen Akzent setzen?

Ich hoffe! Natürlich bin ich als studierte Filmwissenschaftlerin gern ganz nah dran an Hollywood. In der Tat sieht man hier mindestens einmal die Woche irgendwo große Trucks am Straßenrand stehen und weiß: "Aha, da findet gerade ein Dreh statt". Mit etwas Glück sieht man auch mal einen bekannten Schauspieler die Straße entlang gehen.  Und natürlich freue ich mich auf die großen Veranstaltungen à la Oscars und Emmys! Spannend wird aber vor allem die Frage sein, wie gut sich "Old Hollywood" auf Dauer gegen die neuen Konkurrenten, die Streamingdienstanbieter wie Netflix, Amazon und Hulu behaupten kann.

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