Eine Hoteltür mit der Nummer 517
War es die 517 oder doch die 537? Bild © hr/Tim Brockmeier

Knapp daneben ist auch vorbei. hr-Reporter Tim Brockmeier verrät in seinen WM-Notizen, was er hinter den Kulissen und abseits des Rasens in Russland erlebt. Diesmal: Von einer verwechselten Zimmernummer und einem wütenden belgischen Ehepaar.

Eine Schwierigkeit, die mit der WM-Reiserei einhergeht, habe ich ja bereits beschrieben (siehe: "Essen aus der Tube"). Es gibt da aber noch mehr. Zum Beispiel das Merken der eigenen Zimmernummer. Kein Witz. Wenn man in sechs Wochen in zehn verschiedenen Hotels ist und alle drei Tage eine neue Zimmernummer hat, kann da schon mal einiges durcheinander geraten.

Heutzutage gibt es ja keine Schlüssel mehr mit goldenem Anhänger und eingravierter Zimmernummer. Nein, es gibt Chipkarten. Und selbst die sehen überall gleich aus. Eigentlich mache ich mir daher in jedem Hotel ein Foto meiner Zimmernummer. Für den Fall der Fälle. Hatte ich jetzt in Sankt Petersburg vergessen. Was zu einer etwas unangenehmen Situation führte.

Nach der Ankunft im Hotel dort, schmiss ich alle meine Sachen von mir und machte mich auf einen kleinen Stadtspaziergang. Ich hatte rund zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt mit dem Shuttlebus ins Stadion. Sankt Petersburg ist eine wunderschöne Stadt und so dauerte der Spaziergang sehr lange. Oder anders gesagt: Ich kam sehr knapp vor Abfahrt des Shuttle Busses ins Hotel.

Dort, in der Lobby, merkte ich, dass ich meine Schlüsselkarte im Zimmer vergessen hatte. Ich also, ordentlich unter Zeitdruck, zur Rezeption. Die war in diesem Moment nur mit einer sehr jungen Dame, ich würde behaupten einer Auszubildenden, besetzt, die leider auch nur sehr bruchstückhaft Englisch sprach. Ich bat sie um eine neue Karte für Zimmer 517. Sie erklärte mir, ich müsse mich irgendwie ausweisen. Konnte ich nicht, ich hatte tatsächlich alles, bis auf ein wenig Bargeld, im Zimmer gelassen. Ich wurde ungeduldig und, ja, auch etwas lauter. Ich war wirklich in Zeitnot. Ja, meine Schuld und im Nachhinein tat mir mein Tonfall auch leid, aber in dem Moment war es echt dringend. Nach einigem Hin und Her und ein paar sehr lauten Worten von mir, gab sie mir dann doch sehr widerwillig eine neue Karte.

Ich hoch in den fünften Stock, zu Nummer 517. Tür geöffnet und zack, stand ich vor einem (ich glaube belgischen) Ehepaar. Es war zum Glück nicht unbekleidet und auch sonst nicht in irgendeiner kompromittierenden Situation. Die beiden waren nur sehr sauer. Nachvollziehbar.

Meine richtige Zimmernummer war nämlich die 537. Zwei Tage vorher in Moskau hatte ich die 517. Knapp daneben ist auch vorbei.

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